Schüler bejubelt Abschluss.

Fremdsprachliche Abschlüsse und Zertifikate

Kinder und Jugendliche wachsen mit der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Integration Europas, einer globalisierten Arbeitswelt und der daraus resultierenden Notwendigkeit des Austausches mit anderen Sprach- und Kulturkreisen auf. Damit gewinnen fundierte Sprachenkenntnisse zunehmend an Bedeutung. Sie zählen zu den Schlüsselqualifikationen im beruflichen Alltag, ermöglichen Mobilität, fördern interkulturelle Kompetenz und sichern eine berufliche und persönliche Perspektive für die Zukunft.

Hessen bietet Schülerinnen und Schülern eine Reihe von Möglichkeiten, Abschlüsse und Zertifikate für ihre Sprachkenntnisse zu erwerben.

Abschlüsse

Hier finden Sie Informationen zu den Abschlüssen Abibac, Abimat, International Baccalaureate Diploma/Diplôme du Baccalauréat International und dem Zertifikat „Hessisches Internationales Abitur“.

Mit dem Abibac erwerben Schülerinnen und Schüler gleichzeitig das deutsche Abitur und das französische Baccalauréat. Grundlage dafür ist ein deutsch-französisches Abkommen von 1994. Ca. 80 Schulen in Deutschland bieten Abibac an und kooperieren eng mit französischen Partnerschulen. An sechs hessischen Schulen können Schülerinnen und Schüler gleichzeitig das Abitur und das französische Baccalauréat erwerben.

Abibac in der Oberstufe bedeutet Unterricht in Französisch auf erhöhtem Niveau und Unterricht in Geschichte und Geographie oder einem anderen gesellschaftswissenschaftlichem Fach in französischer Sprache. In Frankreich gilt dies analog: In ca. 80 Lycées wird Deutsch auf erhöhtem Niveau sowie Histoire/Géographie in deutscher Sprache angeboten.

Aufenthalte und/oder Praktika im Partnerland und gemeinsame deutsch-französische Projekte ergänzen dieses Profil. Die mündlichen und schriftlichen Prüfungen in den genannten Fächern werden von Prüfungsvorsitzenden aus den Partnerländern begleitet und nach den Vorgaben der Kultusministerkonferenz bzw. des französischen Bildungsministeriums geprüft und bewertet. Das Sprachniveau der Abibac-Absolventen entspricht dem Niveau C1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GeR).

Mit dem Abimat erwerben Schülerinnen und Schüler gleichzeitig das deutsche Abitur und die italienische Maturità. Der Doppelabschluss beruht auf einer Vereinbarung über die deutsch-italienische Zusammenarbeit zwischen der Republik Italien und dem Land Hessen aus dem Jahr 2010 und kann in Hessen am Freiherr-vom-Stein Gymnasium Frankfurt am Main, einer Schule mit bilingualem deutsch-italienischen Zug, nach festgelegten Kriterien erworben werden. Bereits in der Primarstufe haben hessische Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich an Grundschulen, die bilingual deutsch-italienisch unterrichten, auf den Übergang zum Freiherr-vom-Stein Gymnasium vorzubereiten.

Die Besonderheit des seit 2001/2002 existierenden bilingualen Zweiges der Freiherr-vom-Stein Schule besteht darin, dass Italienisch und Deutsch Partnersprachen sind, d. h. beide sind Unterrichtssprachen ab Klasse 5. Eine italienische und eine deutsche Lehrkraft, die sich beide jeweils nur ihrer eigenen Muttersprache bedienen, unterrichten im Tandem.

Erforderlich für das Erlangen der Maturità ist, dass Italienisch in der Sekundarstufe I und II als verpflichtendes Unterrichtsfach (in der Qualifikationsphase auf Leistungskursniveau) belegt wird und Gegenstand der schriftlichen und mündlichen Abiturprüfung für alle Schülerinnen und Schüler des deutsch-italienischen Profils ist. Das bilinguale (deutsch-italienische) Fach Geschichte ist ebenfalls verpflichtendes Unterrichtsfach (Grundkurs) und mündliches Abiturprüfungsfach.

Das Abimat ermöglicht den uneingeschränkten Zugang zu Universitäten in Deutschland und Italien.

Das „International Baccalaureate Diploma/Diplôme du Baccalauréat International“ kann an International Schools erworben werden. Es ist ein international anerkannter Abschluss, der von der International Baccalaureate Organisation" in Genf vergeben wird und weltweit auf Englisch, Spanisch oder Französisch abgelegt werden kann. Der Abschluss wird als Qualifikation für das Studium an einer Universität anerkannt.

Bei der Gleichstellung des Diploms als Hochschulzugangsberechtigung ist Voraussetzung, dass mindestens zwölf aufsteigende Jahrgangsstufen an Schulen mit Vollzeitunterricht besucht wurden und dass die im Beschluss der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) aus dem Jahr 1986 in der jeweils geltenden Fassung genannten Mindestvoraussetzungen erfüllt sind. Im verkürzten gymnasialen Bildungsgang (G8) ist ein Wechsel in das bilinguale Programm erst nach Durchlaufen der Einführungsphase möglich. Nur auf diesem Weg ist sichergestellt, dass die Voraussetzung der zwölf Schuljahre erfüllt und eine bundesweite Anerkennung erreicht wird.

Für die Anerkennung des „International Baccalaureate Diploma/Diplôme du Baccalauréat International“ als Hochschulzugangsberechtigung können Sie sich direkt an das Hessische Kultusministerium wenden.

Zusätzlich zur Allgemeinen Hochschulreife kann hessischen Schülerinnen und Schülern mit dem Zertifikat „Hessisches Internationales Abitur“ der Erwerb besonderer Kompetenzen im Rahmen eines anwendungsorientierten Fremdsprachenkonzepts der Schule bescheinigt werden.

Kriterien für den Erhalt des Zertifikats sind die Teilnahme an verstärktem Unterricht in der modernen ersten Fremdsprache in den Jahrgangsstufen 5 und 6 sowie die Teilnahme am bilingualen Sachfachunterricht ab der Jahrgangsstufe 7 bis zum Ende der Qualifikationsphase. Der Schwerpunkt des fremdsprachigen Sachfachunterrichts liegt dabei im Bereich der MINT-Fächer.

In der Qualifikationsphase ist die Belegung eines Leistungsfachs in einer fortgeführten modernen Fremdsprache verpflichtend. Das bilinguale Sachfach ist zudem als drittes, viertes oder fünftes Abiturprüfungsfach zu belegen, sofern nicht eine Naturwissenschaft oder Informatik als Leistungsfach belegt werden.

Bilinguale Angebote

Bilingualer Unterricht ist hessenweit verbreitet und wird an Schulen auf vielfältige Weise angeboten. Grundsätzlich umfassen bilinguale Bildungsgänge neben dem Unterricht in der betreffenden Fremdsprache (Zielsprache) Unterricht in mindestens einem (bilingualen) Sachfach, in dem diese Fremdsprache Unterrichtssprache ist.

In Hessen existieren beispielsweise bilinguale englische, französische, italienische, neugriechische und spanische Unterrichtsangebote. Zudem gibt es zweisprachige Angebote an unterschiedlichen Schulformen (Grundschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium). Die Auswahl und Reihenfolge der Sachfächer obliegt individuell den einzelnen Schulen. Verbindliche Grundlage für die Inhalte des bilingualen Sachfachunterrichts sind an jeder Schule die in den hessischen Kerncurricula formulierten Lernziele für die jeweiligen Fächer.

Einige Schulen bieten einen eigenständigen bilingualen Bildungsgang an, andere ein breit gestreutes Angebot an bilingualen Modulen und Sequenzen in den Sachfächern. Vertreten sind insbesondere Angebote in den gesellschaftswissenschaftlichen Sachfächern (Geschichte, Erdkunde, Politik und Wirtschaft). Die didaktischen und methodischen Modelle variieren an den einzelnen Schulen vom Tandemunterricht bis hin zum Einsatz der Fremdsprache nach dem Prinzip der funktionalen Einsprachigkeit.

Zur Bestätigung der Teilnahme am Unterricht im Rahmen eines bilingualen Bildungsganges nach § 19 der VOBGM werden nach Abschluss der Jahrgangsstufe 10 bzw. bei der Erteilung der Abiturzeugnisse offizielle Zertifikate vergeben.

Auskunft über die regionalen bilingualen Angebote erteilt das jeweils zuständige Staatliche Schulamt.

Zertifikate

Um die fremdsprachliche Bildung der Schülerinnen und Schüler weiter zu stärken, bieten viele hessische Schulen die Möglichkeit des Erwerbs von offiziellen Sprachdiplomen zum Nachweis von Sprachkenntnissen an. Bei der Vorbereitung und Durchführung der Prüfungen kooperieren die Schulen mit Kulturinstituten (zum Beispiel: Institut Français, Instituto Cervantes).

In Hessen nehmen jährlich mehrere tausend Schülerinnen und Schüler an unterschiedlichen Zertifikatsprüfungen teil. Derzeit können die Qualifikationsnachweise in folgenden Sprachen abgelegt werden:

  • Französisch:
    • Sprachdiplom DELF (Diplôme d'Études en Langue Française)
    • Sprachdiplom DALF (Diplôme Approfondi de Langue Française)

Weiterführende Informationen finden Sie auf den Internetseiten des Institut Francais.Öffnet sich in einem neuen Fenster

  • Spanisch:
    • Sprachdiplom DELE (Diploma de Español como Lengua Extranjera)

Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten des Instituto Cervantes.Öffnet sich in einem neuen Fenster

Die Prüfungen zum Erwerb der Sprachzertifikate sind standardisiert und werden in sechs Niveaustufen (A1 – C2), gemäß des „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen“ (GER), dargeboten. Zusätzlich werden für die Niveaustufen A1 bis B2 (DELF) beziehungsweise A1 bis A2/B1 (DELE) schülerorientierte Versionen für jugendliche Prüflinge angeboten.

Die Diplome sind zeitlich unbegrenzt gültig. Universitäten sowie öffentliche und private Institutionen in der ganzen Welt erkennen sie als offizielle Qualifikationsnachweise an. Die Prüfungen sind gebührenpflichtig, wobei die Kosten je nach Sprachniveau variieren. Infolge von Kooperationsvereinbarungen können hessische Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Schulen die Diplome zu stark vergünstigten Preisen ablegen.

Das CertiLingua-Exzellenzlabel für mehrsprachige, europäische und internationale Kompetenzen wird in Hessen seit 2008 an Abiturientinnen und Abiturienten zusätzlich zum Abiturzeugnis verliehen und bescheinigt ihnen besondere sprachliche und interkulturelle Fähigkeiten. Zudem soll den Absolventen das Zertifikat den Zugang zu international orientierten Studiengängen erleichtern und berufliche Perspektiven im europäischen und internationalen Kontext ermöglichen.

Das Exzellenzlabel wird europaweit von Schulen vergeben, die durch die Bildungsministerien der Partnerländer akkreditiert sind. Es steht allen Schulen mit internationalem Profil offen. Die enge Zusammenarbeit aller Partner und der intensive Austausch zwischen den beteiligten Schulen in ganz Europa sorgen für gleichbleibend hohe Standards in allen Partnerländern.

Die Vergabe des Zertifikats in Hessen setzt voraus, dass die betreffende Schule beim Hessischen Kultusministerium als CertiLingua-Schule akkreditiert ist und in ihrem Antrag auf Akkreditierung nachweisen konnte, dass ihr pädagogisch-fachliches Profil ein Fremdsprachenangebot auf hohem Niveau mit bilingualem Unterricht und Austauschprojekten in der gymnasialen Oberstufe umfasst.

Schülerinnen und Schüler beruflicher Schulen können das KMK-Fremdsprachenzertifikat erwerben. Das bundesweit einheitlich geregelte Zertifikat dient zum Nachweis berufsbezogener Fremdsprachenkenntnisse.

Unabhängig von der jeweiligen Sprache (Englisch oder Spanisch) können im Rahmen des KMK-Fremdsprachenzertifikats berufsbezogene Fremdsprachenkenntnisse auf den Stufen I bis III nachgewiesen werden, die sich an den Niveaustufen A2 bis C1 des Europäischen Referenzrahmens orientieren.

Die Prüfungen werden in Anlehnung an die fremdsprachlichen Anforderungen, die in einem Beruf oder einer Berufsgruppe gestellt werden, durchgeführt. Während bestimmte fremdsprachenbezogene Aspekte der Arbeitswelt nahezu allgemeingültigen Charakter haben (,,sich vorstellen", ,,sich bewerben", ,,telefonieren" etc.), sind andere sehr berufsspezifisch. Daher wird in den Prüfungen zwischen verschiedenen Anwendungszusammenhängen unterschieden:

  • kaufmännisch-verwaltende Berufen,
  • gewerblich-technische Berufen,
  • gastgewerbliche Berufen und
  • sozialpflegerische, sozialpädagogische und Gesundheitsberufen

Das Zertifikat findet in allen Bundesländern Anerkennung und kann europaweit und international verwendet werden, so zum Beispiel als Nachweis fremdsprachlicher Kompetenz für den europass-Sprachenpass.

Weiterführende Informationen finden Sie auf den Internetseiten der Hessischen Lehrkräfteakademie.Öffnet sich in einem neuen Fenster

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