Schülerin schreibt in ein Heft.

Hessisches Kultusministerium

Mut macht Schule – Virtuelle Preisverleihung des hessenweiten Schülerschreibwettbewerbes

„Schreiben zu können bedeutet auch denken zu können.“

Die freudestrahlenden Kinder und Jugendlichen, stolzen Eltern und glücklichen Lehrerinnen und Lehrer hat Rose-Lore Scholz, die Moderatorin der diesjährigen virtuellen Preisverleihung anlässlich des Tages der Handschrift zwar nicht sehen können, aber die Zuschauerinnen und Zuschauer bekamen schnell ein Gefühl dafür, wie sich die ehemalige Schuldezernentin der Stadt Wiesbaden mit den jungen Preisträgerinnen und Preisträgern freute.

Was sonst im Museum Wiesbaden stattfindet – die feierliche Prämierung der jungen Autorinnen und Autoren durch Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz vor den Augen der Eltern und Lehrkräfte – wurde in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie als virtuelle Preisverleihung gestaltet. Und wirklich alle konnten teilnehmen, nicht nur die Preisträgerinnen und Preisträger, sondern ganze Schulklassen fieberten zu Hause oder in der Schule mit ihren Freundinnen und Freunden aus der Klasse mit.

Der Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung Handschrift, Christian Boehringer, nannte in seinen Grußworten die Mission der Stiftung Handschrift: Kindern dabei zu helfen, eine flüssige und lesbare Handschrift zu erlernen. Nicht nur um der Handschrift selbst willen, sondern um die Vorteile nutzen zu können – denn schreiben zu können bedeutet auch denken zu können.

Handschrift als Faktor der Persönlichkeitsentwicklung

Kultusminister Lorz bezeichnete die Handschrift in seiner Begrüßung „als persönlichen Ausdruck der eigenen Gedanken, die eine ganz andere Gestalt bekommen, wenn sie handschriftlich niedergeschrieben werden“. „Die Handschrift ist eine unserer grundlegendsten Kulturtechniken und individuelles Markenzeichen eines jeden Menschen“, erklärte Lorz. „Das Schreiben mit der Hand und das Entwickeln einer lesbaren Handschrift sind deshalb auch im digitalen Zeitalter von großer Bedeutung für den Bildungserfolg unserer Schülerinnen und Schüler.“ Wer einen Brief schreibe, transportiere eine Wertschätzung für die Empfängerin oder den Empfänger, die eine Nachricht in den sozialen Medien oder eine E-Mail nicht vermitteln könne. Denn das Schreiben eines Briefes verbinde Herz und Hand. Diese Aussage gilt insbesondere für die 7.500 an die Stiftung Handschrift adressierten Briefe zum Thema „Mut“.

Wissenschaftliche Studien zeigen, wie wichtig das Beherrschen der Handschrift für kognitive Prozesse im Gehirn ist, denn die Handschrift fördert Kreativität und Individualität. Sie hat Einfluss auf Bildung und Sprachfähigkeit – beides Schlüsselfaktoren für die soziale Integration und berufliche Zukunft von Schülerinnen und Schülern. Die Handschrift ist gewissermaßen der Weg in unser Gedächtnis, so der renommierte Psychiater und Hirnforscher Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer. Er führte weiter aus: „Das handschriftliche Erstellen von Notizen steigert das Nachdenken und damit die Tiefe der Verarbeitung der Inhalte. Wie man seit mehr als 40 Jahren weiß, ist die Verarbeitungstiefe für das Einspeichern neuer Inhalte ins Gedächtnis von entscheidender Bedeutung. So betrachtet, ist die Handschrift ein Werkzeug zur besseren Benutzung unseres Gedächtnisses.“

Im Wettbewerb schrieben die jungen Autorinnen und Autoren der Jahrgangsstufen 6 und 7 über persönliche Mut-Erlebnisse. Eine Vielzahl von Briefen griff aktuelle Themen wie Rassismus, Mobbing und Umweltprobleme auf und ging der Frage nach, wie man sich diesen Themen mutig stellen kann und als einzelner durch Mut viel bewegen kann. In den Briefen wurde deutlich, dass die Kinder und Jugendlichen über ein starkes Bewusstsein für gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und Zivilcourage verfügen.

Vor allem die Corona-Krise wird in den Briefen thematisiert

Ebenso ging aus den Briefen hervor, wie die Corona-Krise die Gedanken der Schülerinnen und Schüler beeinflusst. So ist aus vielen Briefen deutlich herauszulesen, wie sehr Angst und generelle Sorge Kinder und Jugendliche in dieser Zeit belasten. Dennoch werden mutige Aktionen vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie eindrücklich beschrieben. In diesen Krisenzeiten zeigt ein handgeschriebener Brief mehr denn je, wie sich durch das Schreiben die „Seele öffnet“ und auf diese Art Probleme verarbeitet werden.

Der zusätzliche Video-Vorlesewettbewerb zeigte eindrucksvoll, wie kreativ die jungen Briefschreiberinnen und Briefschreiber auch mit dem Medium Film umgehen können. Die Jury konnte sich freuen, aus einer Vielzahl eingesendeter Videos eine Auswahl zu treffen. Alle Videos können im Nachklang der Preisverleihung auf der Homepage des Tages der Handschrift angesehen werden.

Überhaupt gab die virtuelle Preisverleihung denjenigen mehr Raum und Zeit, um die es geht: den Kindern und Jugendlichen. Die Highlights der Online-Interviews mit den Autorinnen und Autoren zeigten, wer „hinter“ den Briefen steht und wie die jungen Persönlichkeiten auf die Idee ihres persönlichen Mut-Briefes gekommen sind.

Die virtuelle Preisverleihung schloss mit dem sowohl von Kultusminister Lorz als auch von dem Geschäftsführer der Stiftung Handschrift, Raoul Kroehl, geäußerten Wunsch, sich nächstes Jahr wieder persönlich zur Preisverleihung treffen zu können.

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