Kinder mit Schulbüchern und Globus laufen über die Wiese.

Unterricht für Kinder beruflich Reisender und berufliche Kompetenz für Schausteller und Circus

Schätzungsweise 10.000 Kinder sind mit ihren Eltern in Deutschland mit unterschiedlichen Unternehmen wie Schaustellerbetrieben, Zirkusunternehmen oder Puppentheatern unterwegs. In allen Bundesländern unterliegen Kinder beruflich Reisender der Schulpflicht und besuchen Stützpunktschulen, meist in der Nähe des Gastspielortes. Jede allgemeine Schule, dievon den Eltern der mitreisenden Kinder ausgewähltwird, ist verpflichtet, Kinder aus reisenden Unternehmen zu unterrichten und kann somit als Stützpunktschule während der Reise dienen.

Schultagebuch

Bei Schuleintritt erhalten Kinder beruflich Reisender ein bundesweit einheitliches Schultagebuch von ihrer Stammschule ausgehändigt. Sie haben so ihren individuellen, durch die zuständige Lehrkraft der Stammschule erstellten Lernplan und können altersentsprechend in ihrer Jahrgangsstufe gefördert werden.

Kinder beruflich Reisender legen dieses Schultagebuch bei jedem Schulbesuch in den Stützpunktschulen vor. Lehrerinnen und Lehrer, die Kinder auf der Reise unterrichten, tragen den aktuell erreichten Lernstand in den Fächern Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache in das mitgeführte Schultagebuch ein. Nur so ist dem mitreisenden Kind ein schnelles Weiterlernen am nächsten Gastspielort möglich.

Außerdem leiten die Lehrkräfte den aktuellen Lernstandsbericht an die Stammschule der mitreisenden Kinder weiter. Wichtige Unterstützung leisten dabei die Bereichslehrkräfte, die übergreifende koordinierende Aufgaben wahrnehmen und sich um unterrichtsergänzende Fördermaßnahmen kümmern.

Digitales Lernen unterwegs (DigLu)

Hessen ist eines der sechs Bundesländer, das sich nach dem vom Schulausschuss 2016 beschlossenen Konzept „Maßnahmen zur Sicherstellung einer flächendeckenden vergleichbaren schulischen Versorgung reisender Kinder“ aktiv am Pilotprojekt DigLu (Digitales Lernen unterwegs) beteiligt. DigLu ist eine internetbasierte Lernplattform und Schulorganisationssoftware für Kinder beruflich Reisender. Es dient dazu, ein effizienteres Lernen und eine leichtere Kommunikation der beteiligten Lehrkräfte zum Lernstand des Kindes zu ermöglichen sowie kontinuierlich den Schulbesuch zu begleiten. Der Anspruch jeder Schülerin und jedes Schülers auf individuelle Förderung sowie das Erreichen des bestmöglichen Schulabschlusses stehen im Mittelpunkt.

Hessen hat als erstes Bundesland im November 2020 damit begonnen, das Pilotprojekt DigLu in der Praxis qualitativ und quantitativ zu erproben und es an den sich daraus resultierenden Erfordernissen für den Regelbetrieb anzupassen.

Derzeit nehmen 33 Schülerinnen und Schüler an DigLu teil. Es sind 7 Stützpunktschulen innerhalb und 4 Stützpunktschulen außerhalb Hessens beteiligt. Die Schule für Kinder beruflich Reisender mit ihren Bereichslehrkräften begleitet das Projekt intensiv.

Pilotprojekt „Schule für Kinder beruflich Reisender“

Im Jahr 2010 wurde in Hessen das Pilotprojekt „Schule für Kinder beruflich Reisender“ an der Schule am Geisbergin Wiesbaden ins Leben gerufen. Diese Schule befindet sich in Trägerschaft der EVIM Bildung gemeinnützige GmbH (Evangelischer Verein für Innere Mission).

Die hessischen Kinder, die an dieser Schule angemeldet sind, werden von den dort eingesetzten Lehrkräften, die auch gleichzeitig Bereichslehrkräfte sind, in acht mobilen Klassenzimmern hessenweit und länderübergreifend (auch online) unterrichtet und gehen nicht mehr jede Woche in eine andere Schule. Das mobile KlassenzimmeristStammschule der Schülerinnen und Schüler.Das (digitale) Schultagebuch ist auch hier die Grundlage der Unterrichtsarbeit.Außerhalb von Hessen oder in der Winterpause besuchen die Kinder denUnterricht an Stützpunktschulen.

Berufliche Kompetenz für Schausteller und Circus (BeKoSch)

BeKoSch ist ein alternatives Berufsschulangebot, welches auf die Lebensumstände von Kindern beruflich Reisender Eltern angepasst, in der Form von Präsenzlernen und Fernlernen angeboten wird. Die schulischen Möglichkeiten in der Berufsbildung bei BeKoSch eröffnen den, mit den Eltern mitreisenden Kindern, neben dem Hauptschulabschluss für Nichtschüler, die Berufsschulpflichtanerkennung aller Bundesländer, eine fundierte Ausbildung zur/zum Verkäuferin/ Verkäufer (IHK), sowie zur/zum Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel (IHK). Die Jugendlichen besuchen den BeKoSch-Unterricht über einen Zeitraum von 2 Jahren.

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