Alle Bildungsstationen

Maßnahmenpaket zur Stärkung der Bildungssprache Deutsch

Das Maßnahmenpaket setzt sich aus drei zentralen, zu fördernden Bereichen zusammen: Grundlegende Fertigkeiten stärken, Lesekompetenz fördern und Handlungskompetenz mit Texten und Sprache ausbauen. Es umfasst dabei alle Bildungsstationen, angefangen bei den Vorlaufkursen am Übergang zwischen Kindertagesstätte und Grundschule über die Maßnahmen in den Primar- und Sekundarstufen bis hin zur Förderung bildungssprachlicher Maßnahmen während der dualen Ausbildung.

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Das Wort Deutsch aus Buchstaben-Würfeln gelegt
© Denis Junker/Fotolia.com

Die Maßnahmen im Überblick

1. Verpflichtende Vorlaufkurse

Grundschulen bieten Vorlaufkurse im Jahr vor der Einschulung als Hilfe für alle Kinder an, die bei der Anmeldung zur Einschulung über keine ausreichenden Deutschkenntnisse verfügen. Grundschulen und Kindertagesstätten arbeiten dabei eng zusammen. Seit Einführung der Vorlaufkurse wurden über 160.000 Kinder in dieser Weise erfolgreich auf den Beginn der Schulzeit vorbereitet. Die Vorlaufkurse verdeutlichen, dass die Stärkung der bildungssprachlichen Kompetenzen so früh wie möglich beginnen sollte und eine bildungsetappenübergreifende Gesamtaufgabe darstellt, die vom Elementar- über den Primarbereich bis hin zu den Sekundarstufen bzw. der dualen Ausbildung reicht.

2. Zusätzliche Deutsch- und Übungsstunde in der Grundschule

Um den entscheidenden Übergang zwischen Primar- und Sekundarbereich zu meistern, erhalten die Schülerinnen und Schülern mehr Übungszeit. Bereits seit dem Schuljahr 2020/2021 wird für die Jahrgangsstufe 4 eine zusätzliche Deutschstunde zugewiesen, die zum Vertiefen und Üben der im Unterricht des Faches Deutsch zu entwickelnden bildungssprachlichen Kompetenzen oder andere Maßnahmen zur Deutschförderung zu nutzen ist.

3. Teilnahme an der Bund-Länder-Initiative BiSS-Transfer

Eine durchgängige Sprachbildung ist Aufgabe aller Fächer. Deshalb geht es in der bundesweit vernetzten und wissenschaftlich begleiteten Initiative darum, Fachunterricht so weiterzuentwickeln, dass er sprachsensibel ist. Das bedeutet, dass die besonderen sprachlichen Anforderungen des Fachunterrichts bewusst gemacht werden und Schülerinnen und Schüler unterstützt werden, diese zu bewältigen. Das Land Hessen beteiligt sich im Transferprozess der Bund-Länder-Initiative durch die Ausweitung bestehender Verbünde und die Gründung neuer Verbünde (u. a. verstärkte Leseförderung, Orthografie, Handschrift, TeKom 4+5, frühkindliche Sprachförderung, geplant Verbünde in Lese- und Schreib-BiSS).

Beispielsweise werden durch das Fortbildungskonzept TeKom 4+5 Lehrkräfte qualifiziert, die Textkompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler am Übergang zwischen Primar- und Sekundarbereich nachhaltig zu stärken. Das Fortbildungskonzept wurde in einer Kooperation des Hessischen Kultusministeriums mit der Hessischen Lehrkräfteakademie und den Universitäten Heidelberg und Kassel entwickelt.

4. Verbindliche Festlegung einer verbundenen Handschrift (SAS oder VA)

Es wird besonderer Wert daraufgelegt, dass die Kulturtechnik der verbundenen Handschrift weiter gelehrt wird. Die Notwendigkeit zur Vereinheitlichung besteht in der größeren Vergleichbarkeit und erhöhten Transparenz, insbesondere für den Übergang in die weiterführende Schule. Dort müssen die Schülerinnen und Schüler in der Lage sein, den Tafelanschrieb der Lehrerinnen und Lehrer zu lesen. Daher wird für das Schuljahr 2021/2022 eine Empfehlung der Schulausgangsschrift oder der Vereinfachten Ausgangsschrift ausgesprochen. Ab dem Schuljahr 2022/2023 sind bei der Einführung der verbundenen Schreibschrift nur noch die Schulausgangsschrift (SAS) oder die Vereinfachte Ausgangsschrift (VA) im Schriftspracherwerb zulässig. Die Jahrgänge, die vor der Festlegung der beiden möglichen verbundenen Schreibschriften noch in eine andere Schreibschrift eingeführt wurden, laufen sukzessive aus.

5. Grundwortschatz mit Handreichung (inklusive pädagogisch motivierter Fehlerkorrektur Jg. 1 bis 6) zur Stärkung der Rechtschreibkompetenz

Die Handreichung zum Grundwortschatz umfasst insgesamt ca. 850 Worteinheiten, die in den Jahrgangsstufen 1-2 und 3-4 eingeübt werden. Zudem enthält sie einen ausführlichen Kommentarteil mit orthografischen Phänomenen und didaktischen Hinweisen zur Gestaltung des Unterrichts. Ein wichtiger Punkt ist dabei der Umgang mit der Fehlerkorrektur. Befürwortet wird eine „pädagogisch motivierte“ Korrektur, in der falsche Schreibungen durch Hinzufügen der korrekten Schreibweise korrigiert werden. Die „Pädagogisch motivierte Fehlerkorrektur“ soll ab dem 2. Halbjahr der 1. Jahrgangsstufe bis zur Jahrgangsstufe 6 bereits ab dem kommenden Schuljahr 2021/2022 verbindlich umgesetzt werden. Die Methode „Lesen durch Schreiben“ („Schreiben nach Gehör“) ist weiterhin in Hessen unzulässig und darf nicht angewandt werden. Nähere Informationen dazu sind im Kapitel 3 der Handreichung zum Grundwortschatz dargestellt und zu beachten.

Zur Handreichung

6. Fehlerindex in den Klassen 9/10

Um die Schülerinnen und Schüler gezielt auf die Anforderungen in den Abschlussprüfungen vorzubereiten, wird ein einheitlicher Fehlerindex bei der Bewertung von schriftlichen Arbeiten in allen Unterrichtsfächern in den Jahrgangsstufen 9 und 10 der allgemein bildenden Schulen eingeführt. Damit werden die Vergleichbarkeit und Transparenz in der Benotung der Rechtschreibleistungen gestärkt. Ab dem kommenden Schuljahr 2021/2022 wird den Schulen eine Erprobung in Zusammenarbeit mit der Kompetenzstelle Orthografie empfohlen. Ab dem Schuljahr 2022/2023 erfolgt die verbindliche Einführung.

7. Verstärkte Leseförderung und Lesemotivation

Die PISA-Studie 2019 zeigt, dass die Lesekompetenzen stabil auf mittlerem Niveau stagnieren. Das Lesestrategiewissen fällt zwar hoch aus, die Lesemotivation ist jedoch stark rückläufig. Das Ziel besteht darin, die Lust am Lesen und die Bedeutung des Lesens zu stärken. Deshalb wird die Idee eines „Nationalen Lesepakts“ der Stiftung Lesen unterstützt. Zudem erhalten die Lehrerinnen und Lehrer zukünftig Lektüreempfehlungen zur Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Lektüren.

Ab dem Schuljahr 2022/2023 ist in jeder Jahrgangsstufe in der Sekundarstufe I im Deutschunterricht mindestens eine Ganzschrift zu behandeln. Den Schulen wird dies bereits für das kommende Schuljahr 2021/2022 empfohlen.

8. Kompetenzzentrum Bildungssprache mit der Kompetenzstelle Orthografie

Geplant ist die Einrichtung eines „Kompetenzzentrums Bildungssprache“, das an die bereits eingerichtete Kompetenzstelle Orthographie anknüpft, die in Kooperation des Hessischen Kultusministeriums mit der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt entstanden ist. Das geplante Kompetenzzentrum Bildungssprache Deutsch in Hessen trägt nachhaltig zur Stärkung von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen zu bildungssprachlichen Teilbereichen (Schreiben, Lesen, Zuhören, Sprechen) auf Grundlage wissenschaftlicher Expertise bei. Das schließt die Erstellung von Fortbildungsmaterialien und die Konzeption von neuen Fortbildungsformaten ein.

9. Grundlegende Verankerung in allen Phasen der Lehrerbildung

Es wird die Verankerung der Stärkung der Bildungssprache Deutsch im Rahmen der Novellierung des Hessischen Lehrerbildungsgesetzes angestrebt.

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