Hessisches Leseprogramm

Verstärkte Leseförderung an allen Schulen

Das Hessische Kultusministerium unterstützt die Lehrkräfte in der Leseförderung mit dem Fortbildungsangebot „Verstärkte Leseförderung an allen Schulen“. Ziel ist die weitere Verbesserung der Lesekompetenz als überfachliche Kompetenz der Schülerinnen und Schüler in allen Schulformen.

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Schüler mit einem Buch in der Bibliothek.
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Die Förderung der Lesekompetenz ist in allen Schulformen von zentraler Bedeutung. „Ohne die Fähigkeit zur mündlichen und schriftlichen Verständigung, ohne ausreichende Lese- und Schreibkompetenz sind weder ein qualifizierter Schulabschluss noch eine zukunftsfähige Berufsausbildung zu erreichen“ (BiSS-Expertise, 2013:4).

Die Konzeption des hessischen Leseprogramms wurde von Ulrike Krug gemeinsam mit Dr. Nix entwickelt und ist ausgerichtet auf die BiSS-Expertise. Die wissenschaftliche Begleitung hat Prof. Gold, Goethe-Universität.

Der Fokus der Leseförderung und damit der Maßnahmen soll auf die bedeutsamen und beeinflussbaren Elemente der Lesekompetenz gerichtet sein; diese entsprechen dem aktuellen wissenschaftlichen Stand in der Leseforschung:

  • Einsatz von Leselernstandsermittlungen als Grundlage von Förderung
  • Förderung der Dekodierfähigkeit / Leseflüssigkeit
  • Einübung von Lesestrategien in allen Fächern
  • Lesemotivation / Selbstkonzept
  • Leseförderung von Jungen

Die Bilanzierung

In den Schulen werden bereits vielfältige Angebote zur Leseförderung gemacht. Diese sollen für die weitere Arbeit genutzt und aufgenommen werden. Zugleich aber soll gewährleistet sein, dass die Ausrichtung der Leseförderung an den o.g. Standards erfolgt. Daher ist als Ausgangspunkt eine Bilanzierung der bisherigen schulischen Leseförderung ein wichtiger Schritt.

Diese Bilanzierung erfolgt in der jeweiligen Schule mit Hilfe der „Checkliste“, die die wissenschaftlich gesicherten Elemente der Lesekompetenz (Standards) beinhaltet. Auf der Grundlage dieser Bilanzierung können die Lehrkräfte bereits gelingende Lesefördermaßnahmen identifizieren, den Entwicklungsbedarf feststellen und Ziele für die weitere Arbeit ableiten.

 

Verstärkte Leseförderung
                   

Die Qualifizierungsmodule

Die o.g. Elemente wurden in 3 Qualifizierungsmodulen umgesetzt, die in allen Schulen durchgeführt werden. Dazu rufen die Schulen das jeweilige Modul individuell ab.

Verstärkte Leseförderung

Die Struktur der Module ist immer gleich und beinhaltet nach einer theoretischen Fundierung über die Bedeutung des jeweiligen Aspektes der Lesekompetenz (z.B. Leseflüssigkeit), Diagnoseinstrumente und –maßnahmen , Fördermaßnahmen, sowie Vorschläge zur Umsetzung.

Im Basismodul 1 geht es um Diagnose und Förderung der  basalen Lesefertigkeiten und der Leseflüssigkeit, die auch in den Schulen der Sekundarstufe noch in den Blick genommen werden müssen. Die Bedeutung der Leseflüssigkeit muss nachdrücklich vermittelt werden. Zu diesem Modul werden nach einer theoretischen Einführung einfache Instrumente / Tools zur Diagnose wie auch Möglichkeiten der Förderung vorgestellt. „Lautlese-Tandems“ als eine Methode der Förderung der Leseflüssigkeit werden praktisch eingeübt.

Thema des Basismoduls 2 ist das Leseverständnis. Schwerpunkt ist hier der Einsatz von Lesestrategien wie auch metakognitiver Strategien. Sie sind vielen Lehrkräften bereits bekannt, jedoch nicht in ihrer entscheidenden Bedeutung für eigenverantwortliches und selbstgesteuertes Lernen. Ebenso ist die Bedeutung der Lehrperson als Modell nicht genügend bewusst. Lesestrategien werden häufig im Fach Deutsch, selten aber in allen Fächern genutzt.

Alle Kolleg/-innen in den Schulen sollen zunächst über die Bedeutung der Lesestrategien für alle Fächer informiert werden. Daher wird auch hier zunächst eine theoretische Einführung erfolgen, anschließend werden Diagnose- und Fördermöglichkeiten vorgestellt und praktisch erprobt.

Das Basismodul 3 beinhaltet Diagnose und Förderung der Lesemotivation. Hier geht es darum, wie Schülerinnen und Schüler zum Lesen animiert werden können, die zwar in kognitiver Hinsicht zur Textverarbeitung in der Lage sind, aber längere Texte und Bücher nicht lesen, z.B. weil sie keinen persönlichen Gewinn aus der Lektüre ziehen können oder Anstrengung vermeiden wollen. Ein positives Selbstkonzept als Leser/-in und eine gute Lesemotivation sind in vielen Dimensionen bedeutsam für die Ausbildung der Lesekompetenz.  Zur Diagnose dieser   Aspekte werden Frage- und Selbsteinschätzungsbögen vorgestellt. Verfahren der Leseanimation, wie z.B. Leseprojekte, Klassenbibliotheken, Lesenächte sowie Vielleseverfahren werden als Möglichkeiten der Förderung in diesem Modul vorgestellt und erprobt.

Das Leseförderkonzept

Um die Leseförderung in den Schulen nachhaltig zu sichern, ist die systemische Verankerung durch gemeinsame schulische Entwicklungsprozesse im Blick. Angebote zur Leseförderung sowie der Entwicklungsbedarf werden festgeschrieben. Nach der Fortbildung zu jedem Modul haben die Lehrkräfte Zeit, die vorgestellten Fördermaßnahmen zu erproben. Erst nach einer ausreichenden Zeit der Erprobung werden die Erfahrungen der Lehrkräfte reflektiert, ausgewertet und schließlich zu verbindlichen Vereinbarungen zur Leseförderung geführt.

So entsteht allmählich das verbindlich vereinbarte Leseförderkonzept.

Verstärkte Leseförderung

Erschienen in: Krug, Ulrike/ Dr. Nix, Daniel: Entwicklung eines schulischen Leseförderkonzepts. Ein Praxisleitfaden für alle Schulformen, 2017.

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