Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

Zehn Grundsatzziele Inklusion

Das Hessische Kabinett verabschiedete 2012 den „Hessischen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention“. Darin legte das Kultusministerium zehn Grundsatzziele fest, mit denen die Behindertenrechtskonventionen im Bereich Schule und Bildung umgesetzt werden soll. Die zehn Grundsatzziele und ihren Umsetzungsstand im Herbst 2016 haben wir hier für Sie zusammengefasst.

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Versammlung
© Fotolia/Guido Grochowski

Ziel 1:

Der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung an Grundschulen und weiterführenden Schulen wird erhöht (Koalitionsvereinbarung vom 10.02.2009, Punkt 16). Im Gegenzug wird die Förderschulbesuchsquote in den nächsten Jahren von 4,31 % auf 4 % abgesenkt.

Umsetzungsstand: Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Anspruch auf sonderpädagogische Förderung hat sich kontinuierlich auf 7.903 Schülerinnen und Schüler in der inklusiven Beschulung erhöht (Schuljahr 2015/2016). Gleichzeitig ist die Förderschulbesuchsquote auf 4,28% gesunken.

Ziel 2:

Der Hessische Referenzrahmen Schulqualität berücksichtigt die Förderung von Schülern mit Beeinträchtigungen und Behinderungen. Die Wirksamkeit inklusiver Bildung wird evaluiert.

Umsetzungsstand: Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen und Behinderungen ist elementarer Bestandteil des Hessischen Referenzrahmens Schulqualität. Die Dimension „Umgang mit heterogenen Lernvoraussetzungen“ begünstigt die Anlage inklusiver Unterrichtsstrukturen wesentlich.

Ziel 3:

Zwei „Modellregionen Inklusive Bildung“ werden ausgewiesen. Diese Schulträgerbereiche zeichnen sich dadurch aus, dass inklusive Angebote für jeden Förderschwerpunkt in jeder Schulform vorgehalten werden. Darüber hinaus wird mindestens ein stationäres System sonderpädagogischer Förderung aufgelöst.

Umsetzungsstand: Im Schuljahr 2015/2016 waren in sieben Staatlichen Schulämtern mit elf Schulträgern neun „Modellregionen Inklusive Bildung“ eingerichtet, durch die 44% aller hessischen Schülerinnen und Schüler erreicht werden.

Ziel 4:

In jeder Region stehen Ansprechpartner für Eltern hinsichtlich der inklusiven Beschulung ihrer Kinder und für Schulen zur Beratung und Unterstützung bei der inklusiven Schulentwicklung zur Verfügung.

Umsetzungsstand: Für die Beratung der Eltern stehen die Lehrkräfte der Beratungs- und Förderzentren (BFZ) vor Ort zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es Ansprechpartner in allen 15 Staatlichen Schulämtern (Fachbezogene Beraterinnen und Berater für sonderpädagogische Förderung und Inklusion).

Ziel 5:

Lehrerressourcen für „Sonderpädagogische Förderung“ werden optimal genutzt. Das heißt: Bündelung sonderpädagogischer Ressourcen und Fördersysteme, Öffnung und weitgehende Beibehaltung der Förderschulressourcen auch für die allgemeine Schule.

Umsetzungsstand: Im Vergleich zum Schuljahr 2011/12 (1.526 Lehrerstellen) steht für die sonderpädagogische Unterstützung ein Plus von über 600 Lehrerstellen zur Verfügung. Die Gesamtressource (Lehrerstellen der Förderschulen und für den inklusiven Unterricht) wird auf dem Stand von Oktober 2015 garantiert und ist nunmehr flexibel einsetzbar. Bis zum Schuljahr 2018/2019 werden hessenweit inklusive Schulbündnisse (iSB) entstehen, die mit zusätzlichen 210 Stellen unterstützt werden.

Ziel 6:

Förderschulen verlagern ihre Angebote schrittweise unter das Dach der allgemeinen Schule zur wohnortnahen inklusiven Beschulung. Sonderpädagogische Kompetenzen werden schrittweise an die allgemeine Schule verlagert, hochwertiger Unterricht wird gesichert durch ambulante und präventive Maßnahmen, inklusiven Unterricht, Schwerpunktschulen und Kooperationsklassen.

Umsetzungsstand: Kooperationsklassen sind nach § 63 Abs. 3 HSchG möglich. In den neun „Modellregionen Inklusive Bildung“ wird angestrebt, die Anzahl der stationären Förderschulen (vor allem in den Förderschwerpunkten Lernen und Sprache) zugunsten von inklusivem Unterricht an allgemeinen Schulen abzubauen. Jeder allgemeinen Schule steht ein regionales Beratungs- und Förderzentrum als Unterstützungssystem zur Verfügung. In den neuen inklusiven Schulbündnissen werden für die inklusive Beschulung von Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen jährlich die allgemeinen Schulen mit besonderer Ausstattung ausgewiesen.

Ziel 7:

Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen erreichen den bestmöglichen Abschluss durch hochwertigen Unterricht in der inklusiven Beschulung.

Umsetzungsstand: Das neue Konzept der inklusives Schulbündnisse (iSB) sieht vor, dass innerhalb dieser Schulbündnisse verlässliche Vereinbarungen getroffen werden, wie Schülerinnen und Schüler durch vorbeugende Maßnahmen unterstützt werden und Schülerinnen und Schüler, die einer sonderpädagogischen Förderung bedürfen, von der 1. Klasse an bis zum Erreichen des bestmöglichen Schulabschlusses beschult werden können.

Ziel 8:

Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen sind auf die Teilhabe am Berufs- und Arbeitsleben vorbereitet sowie zur selbstständigen Lebensgestaltung befähigt.

Umsetzungsstand: Der berufsorientierte Abschluss für Schülerinnen und Schüler mit einer von der allgemeinen Schule abweichenden Zielsetzung wurde im inklusiven Unterricht der höheren Klassen an allgemeinen Schulen implementiert. Die neuen inklusiven Schulbündnisse (iSB) haben den Auftrag, insbesondere die Übergänge in den Blick zu nehmen.

Ziel 9:

Maßnahmen zur Steigerung des Bewusstseins für die Belange von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen werden im Schulprogramm verankert.

Umsetzungsstand: Immer mehr allgemeine Schulen unterrichten Schülerinnen und Schüler, die (sonderpädagogische) Unterstützung benötigen. Darüber hinaus wurde eine Checkliste Inklusion als Selbstevaluationsbogen entwickelt, um den Schulen in Hessen ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem sie den Stand ihrer inklusiven Schulentwicklung überprüfen können. Die Checkliste Inklusion wird derzeit aktualisiert und wird in Kürze in der überarbeiteten Form auf der Homepage der Lehrkräfteakademie zu finden sein.

Ziel 10:

Inklusive Bildung ist fester Bestandteil der Aus, Fort- und Weiterbildung für alle Lehrämter und pädagogischen Mitarbeiter. Es bestehen Angebote zur Qualifikation von Schulleitungen aller Schulformen zur Entwicklung inklusiver Strukturen an allgemeinen Schulen.

Umsetzungsstand: In der Lehrerausbildung wurden bei der Novellierung des Hessischen Lehrerbildungsgesetzes HLbG und der Durchführungsverordnung HLbGDV die Module „Diagnostizieren, Fördern, Beurteilen“ und „Erziehen, Beraten, Betreuen“ beibehalten. Zusätzliche Schwerpunktsetzung in Richtung des inklusiven Unterrichts wurde durch die Aufnahme des Moduls „Diversität in Lehr- und Lernprozessen nutzen“ für den Grund-, Haupt-, Real- und Förderschulbereich geschaffen. Die Ausbildung von Lehrkräften im Vorbereitungsdienst mit dem Lehramt Förderschule kann an allgemeinbildenden Schulen erfolgen, sofern dort Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen und Behinderungen im inklusiven Unterricht beschult werden. Die Fortbildungsangebote im priorisierten Thema Inklusion richten sich in der Schulleitungsfortbildung auf die Schwerpunkte zur Implementierung der inklusiven Schulbündnisse (iSB). Ein erster Weiterbildungskurs zum Erwerb einer Zusatzprüfung für das Lehramt an Förderschulen wurde bereits abgeschlossen. Ein zweiter Kurs, der im August 2016 begonnen hat, läuft bis Juli 2017.