Im Interview mit der didacta

Lehrkräfte kann man nicht herbeizaubern

Das deutsche Bildungssystem beschäftigt Alexander Lorz 2019 gleich zweifach: Im Interview spricht der Unionspolitiker darüber, wie er als hessischer Kultusminister den Lehrkräftemangel bekämpfen und als KMK-Präsident die deutsche Sprache stärken möchte.

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Kultusminister Lorz
Zuständig für die Schulen: Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz
© HKM

Herr Minister, Sie haben beschlossen, die Förderung der Bildungssprache Deutsch in den Mittelpunkt Ihrer KMK-Präsidentschaft zu stellen. Warum?  

Weil ich das Beherrschen der Bildungssprache Deutsch für eine erfolgreiche Schullaufbahn von Schülerinnen und Schülern für absolut entscheidend halte. Die Bildungssprache ist der Schlüssel zum Erfolg in praktisch allen Schulfächern und damit auch die entscheidende Weichenstellung, wenn es um Chancen- und Bildungsgerechtigkeit geht. Natürlich ist Deutsch nicht alles. Aber ohne Deutsch geht gar nichts in der Bildungslaufbahn. Bei den unterschiedlichen Voraussetzungen, die Kinder heutzutage mitbringen, ist es von zentraler Bedeutung, sie zunächst auf ein Level zu bringen, das sie befähigt, dem Unterricht zu folgen. 

Sie sind vor Kurzem erneut als hessischer Kultusminister bestätigt worden. Hessen lehnt die vom Bundestag beschlossene Grundgesetzänderung für die Schuldigitalisierung ab. Wie stehen Sie dazu?

Man muss den Anlass und die Substanz der Änderung auseinanderhalten. Der Anlass ist der Digitalpakt. Aber um den geht es in der Sache eigentlich gar nicht. Den Digitalpakt wollen am Ende alle, er wurde im Grundsatz auch schon fertig ausgehandelt. Er wäre innerhalb kurzer Zeit startklar, sobald die Frage der Rechtsgrundlage beantwortet ist. Was jetzt als Grundgesetzänderung auf dem Tisch liegt, geht aber weit über den Rahmen des Digitalpakts hinaus und betrifft ganz grundlegende Fragen der Bund-Länder-Finanzierung, für die der Kultusbereich nur den äußeren Anlass geboten hat. 

Was wünschen Sie sich für eine Lösung? 

Ich wünsche mir, dass wir schlicht und ergreifend irgendeine Lösung finden – vielleicht auch ohne Grundgesetzänderung. Für uns als Kultusminister zählt, dass der Pakt an den Schulen startet. Danach können sich die Finanzminister weiter über die Grundsatzfragen der Finanzkonstruktion Gedanken machen. 

Der Digitalpakt verspricht fünf Milliarden Euro für die Digitalisierung der Schulen. Reicht das aus? 

Von diesen fünf Milliarden Euro kommen im Jahr vielleicht etwas mehr als 70 Millionen Euro bei uns in Hessen an. Nicht, dass wir uns missverstehen: Das ist Geld, mit dem man viel Sinnvolles bewegen kann. Aber mein Bildungsetat in Hessen beträgt jedes Jahr über fünf Milliarden Euro. Wenn ich da 70 Millionen Euro vom Bund dazubekomme, bin ich zwar dankbar und kann dieses Geld auch sinnvoll einsetzen. Das verschiebt die Finanzierungsparameter im Schulbereich aber nicht grundlegend. Genau deswegen kann man hier keine grundsätzliche Kompetenzverschiebung zwischen Bund und Ländern vereinbaren.

Was ist aktuell wichtiger? Die Ausstattung der Schulen mit Geräten oder die entsprechende Schulung der Lehrkräfte?  

Es ist eine Binsenweisheit: Auf die Lehrkraft kommt es an. Das gilt auch im Bereich Digitalisierung. Klar, Digitalisierung ohne Infrastruktur funktioniert nicht. Aber nur Geräte zu besitzen und niemanden zu haben, der sie sinnvoll einsetzen und Kompetenzen vermitteln kann, wäre hinausgeworfenes Geld. Aus landespolitischer Sicht steht für uns die Qualifizierung der Lehrkräfte an erster Stelle. 

Auch Hessen kämpft mit dem deutschlandweiten Lehrermangel. Wie steuern Sie dagegen?

Wir haben einen Mix verschiedener Maßnahmen aufgesetzt, der in den vergangenen Schuljahren so erfolgreich war, dass wir die Lücke weitgehend schließen konnten. Wir haben langfristig betrachtet unsere Studienplatzkapazitäten bereits jetzt um rund 50 Prozent ausgeweitet, gerade in den besonders betroffenen Lehrämtern. Aber die Universitäten sind am Rande ihrer Kapazitäten angelangt. Lehrkräfte kann man nicht einfach herbeizaubern. Für die Zwischenzeit und bis die neuen Absolventen da sind, setzen wir vor allem auf die Weiterbildung von Lehrkräften mit anderen Lehrämtern. Da haben wir in den Kursen, die wir in den vergangenen Jahren aufgelegt haben, eine gute Resonanz erhalten und wertvolle Lehrkapazität gewinnen können. 
 

Vom 19. bis 23. Februar 2019 führt die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse wieder Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Köln zusammen. 

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