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Prof. Dr. Alexander Lorz im Gespräch

„Mehr als 75 Lehrerstellen zusätzlich“

Interview mit Kultusminister Lorz in der Offenbach Post vom 14. Mai 2014

Der Kultusminister beantwortet Fragen zu Hessens Schulpolitik und bezieht Stellung zum Lehrermangel in Offenbach.

Die Grünen sagen ja: Wir sind in Hessen im Problemfeld Inklusion noch lange nicht über den Berg. Wie geht es weiter?
Die inklusive Beschulung von Kindern mit Behinderungen und Beeinträchtigungen kommt weiter gut voran. In diesem Schuljahr haben wir die Zahl der inklusiv beschulten Kinder um fast fünf Prozent steigern können. Noch nie waren so viele Förderschullehrkräfte in der allgemeinen Schule im Einsatz. Inklusion ist aber ein gesamtgesellschaftlicher Prozess, der sich nicht auf die Schule beschränkt und nur mit behutsamer Beharrlichkeit auf allen Seiten bewältigt werden kann.

Auf dem Weg zum bundesweiten Zentralabitur sind sechs Bundesländer vorgeprescht. Sie haben sich auf gemeinsame Teile der schriftlichen Deutsch-, Englisch- und Mathematikprüfungen verständigt. Warum ist Hessen denn nicht dabei?
Die Nichtteilnahme hat einen ganz einfachen technischen Grund, der mit der Terminplanung der zentralen Abiturprüfungen zusammenhängt. Grundsätzlich ist gegen eine länderübergreifende Vereinheitlichung von Prüfungen nichts einzuwenden. Voraussetzung ist freilich, dass man sich über die einzuhaltenden Standards einig ist.

Sollten sich die Bundesländer nicht zunächst auf gemeinsame Rahmenlehrpläne verständigen? In welchen Schulbereichen können sie denn noch besser zusammenarbeiten, was schlagen Sie vor?
Es gibt ja bereits gemeinsame Bildungsstandards, auf die man sich im Rahmen der Kultusministerkonferenz verständigt hat. Hier steht als nächstes die Umsetzung im Bereich der Sekundarstufe II an. Aber natürlich kann man die Kooperation zwischen den Ländern immer noch weiter ausbauen.

Stichwort Sozialindex: Offenbach sollte doch bei der Lehrerzuweisung besser berücksichtigt werden. Was ist aus dem Vorhaben geworden? Können Sie sich auch in Zukunft weitere Bonus- Projekte dieser Art vorstellen?
Offenbach erhält schon jetzt mehr als 75 Stellen zusätzlich durch unseren neu eingeführten Sozialindex. Das ist ein Spitzenwert, der vielen Schulen eine enorme Gestaltungsfreiheit bietet. Durch die geplante Erhöhung der Stellen, die für die Zuweisung aus dem Sozialindex bereitgestellt werden, wird Offenbach, gerade aufgrund der hohen Quote an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund, auch weiterhin überdurchschnittlich berücksichtigt werden.

Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit zwischen Christdemokraten und Grünen in der Landesregierung in der Bildungspolitik? Die Grünen setzen doch viel stärker als Sie auf das Thema „gemeinsames Lernen“. Könnten sich daraus nicht Reibereien entwickeln?
Wir haben im Umgang miteinander erstaunlich schnell die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit legen können. Die Grünen sind genau wie wir Christdemokraten an der Individualität des Menschen orientiert. Daraus ergeben sich gerade im Bereich der Bildungspolitik große Gemeinsamkeiten. Natürlich gibt es zwischen uns auch unterschiedliche Vorstellungen über die genaue Ausgestaltung des Schulsystems. Aber wir führen darüber keine ideologische Auseinandersetzung.

Das Interview führte Peter Schulte-Holtey