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Grundschulunterricht

„Familienklassen“ fördern schulischen Erfolg und familiären Zusammenhalt

Thema: 
Rund um das Schuljahr
01.10.2018Hessisches Kultusministerium

Kultusminister Lorz sieht bewährtes Modell als Vorbild für ganz Hessen

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PK Familienklassen
© HKM

Die Herausforderungen für Lehrkräfte im Schulalltag wachsen, und dazu gehören insbesondere stetig steigende Erziehungsaufgaben. Vielfach liegt die Ursache für Schwierigkeiten in der Schule direkt in der familiären Situation des Kindes. Der Lahn-Dill-Kreis hat in Kooperation mit dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf Wetzlar sowie interessierten Grundschulen das Modell der sogenannten „Familienklassen“ entwickelt. Dieses richtet sich an Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten im Schulalltag und sieht vor, dass Familien einmal wöchentlich einen Schultag gemeinsam verbringen und Eltern und Kinder mit professioneller Unterstützung lernen, wie sie durch Verhaltensänderungen Erfolge im Unterricht erreichen können. Gleichzeitig stärken die gemeinsamen Erlebnisse die Bindung zwischen Eltern und Kind. „Bei einem Besuch der Grundschule in Wetzlar-Dalheim im März dieses Jahres habe ich mich über das Modell informiert und war sofort begeistert“, erläuterte Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz heute in Wiesbaden. Gemeinsam mit dem Ersten Kreisbeigeordneten des Lahn-Dill-Kreises, Heinz Schreiber, und Christian Scharfe vom Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Wetzlar stellte er das Modell heute in Wiesbaden vor.

Wie findet der Unterricht in einer Familienklasse statt?

Eine Familienklasse wird aus etwa acht Kindern mit jeweils mindestens einer erziehungsberechtigten Person klassenübergreifend gebildet und ist im Regelfall auf eine Teilnahme von drei bis sechs Monaten angelegt. Begleitet werden die Einheiten in der Familienklasse aus dem Tandem einer Multifamilientrainerin oder eines Multifamilientrainers sowie einer Lehrkraft oder sozialpädagogischen Fachkraft des Landes Hessen. Einmal wöchentlich findet ein fünfstündiger Familienunterrichtstag statt, der unterschiedliche Phasen mit spezifischen Zielsetzungen aufweist. Hierbei werden sowohl reguläre Unterrichtsinhalte vermittelt als auch erzieherische Ziele verfolgt. Im Kern wird darauf abgezielt, dem Kind Wege zur Mitarbeit aufzuzeigen, die es ihm erleichtern, seine individuellen Lernziele zu erreichen. Außerdem geht es darum, die Eltern in der Übernahme ihrer Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder wertschätzend zu begleiten und ihnen Möglichkeiten anzubieten, wie sie förderlich auf das Verhalten ihres Kindes einwirken können. Den Unterricht an den restlichen vier Wochentagen verbringen die Schülerinnen und Schüler in ihren Regelklassen. Durch die Unterstützung und Rückmeldung der Familien untereinander entstehen ein wertvolles soziales Miteinander und ein positives Lernumfeld für die Schülerinnen und Schüler. „Die Familienklassen sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Grundschullandschaft des Lahn-Dill-Kreises, weil wir sehr gute Erfahrungen mit ihnen gemacht haben“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete des Lahn-Dill-Kreises, Heinz Schreiber. „Wir können nachweislich feststellen, dass die emotionale Entwicklung, das Aufnehmen von Bindungen wie auch die schulischen Leistungen der Kinder durch sie verbessert werden.“

Ausweitung des Konzepts

„Die Idee der Familienklassen hat sich im Lahn-Dill-Kreis dank der engen Kooperation von Stadt, Schulträger, Schulgemeinde, Rittal Foundation und dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf etabliert und ermöglicht den Grundschülerinnen und Grundschülern, noch besser im Schulalltag Fuß zu fassen“, betonte auch Kultusminister Lorz. „Die positiven Wirkungen haben uns überzeugt, so dass wir das Modell Schulträgern in ganz Hessen anbieten möchten.“ Da in einer Familienklasse sowohl schulische Förderung als auch eine regelhafte Umsetzung originärer Aufgaben der Jugendhilfe erfolgen, erscheine hierzu ein kofinanziertes Kooperationsprojekt zwischen dem Land Hessen und den Jugendhilfeträgern zielführend. „Wir haben das Modell der ‚Familienklassen‘ daher bereits Vertretern der Kommunalen Spitzenverbände vorgestellt und viele positive Rückmeldungen erhalten“, so Lorz. Aktuell finden weitere Gespräche zur Ausgestaltung in gemeinsamer Verantwortung statt. „Ziel ist es, dass mehr hessische Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Erziehungsberechtigten Zugang zu dieser nachhaltig wirksamen Fördermöglichkeit erhalten. Damit wollen wir einerseits einen weiteren Beitrag zur Förderung der in der Hessischen Kinder- und Jugendrechte-Charta beschriebenen Bildungsgerechtigkeit leisten und andererseits die Erziehungsarbeit der Klassenlehrkräfte unterstützen“, so der Kultusminister abschließend.

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Pressesprecher: 
Stefan Löwer
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