Veröffentlichung

IQB-Bildungstrend 2016

Thema: 
Rund um das Schuljahr
13.10.2017Hessisches Kultusministerium

Hessisches Schulsystem zeigt sich in herausfordernden Zeiten robust!

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Kinder in der Schule
© Christian Schwier - Fotolia.com
  • Starke Zunahme der Schüler mit Zuwanderungshintergrund, steigende Herausforderungen für die Grundschulen
  • Hessische Viertklässler in Deutsch besser als der  Durchschnitt der Länder
  • Überdurchschnittliche Rechtschreibkompetenzen in Hessen

Mit dem heute veröffentlichten „Bildungstrend 2016“ wurden zum zweiten Mal nach 2011 die Fähigkeiten der Viertklässler im Lesen und Zuhören, in der Rechtschreibung und der Mathematik überprüft. Knapp 30.000 Schülerinnen und Schüler an 1.508 Grundschulen und Förderschulen in Deutschland, darunter 90 Schulen in Hessen, haben im Mai und Juni 2016 an den halbtägigen Tests teilgenommen.

Prägendes Merkmal des Bildungstrends 2016 ist die bundesweite Zunahme der Viertklässler, die einen Zuwanderungshintergrund haben und möglicherweise zu Hause eine andere Sprache als Deutsch sprechen und die damit zunehmende Heterogenität der Schülerschaft. Während in Deutschland der Anteil der Viertklässler mit Zuwanderungshintergrund insgesamt auf nunmehr 33,6 Prozent gestiegen ist, liegt er in Hessen gar bei 42 Prozent und damit rund ein Drittel höher als im Jahr 2011. „Wirft man unter Berücksichtigung dieser Entwicklung einen Blick auf die hessischen Ergebnisse des Bildungstrends, so zeigt sich, dass sich unser Schulsystem in diesen herausfordernden Zeiten als robust erwiesen hat“, kommentierte Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz heute die im Auftrag der Kultusministerkonferenz vom Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) erstellte Studie. „Der Bildungstrend belegt außerdem, dass unser Gesamtsprachförderkonzept, das von Vorlaufkursen im Jahr vor der Einschulung bis zu den Intensivklassen an beruflichen Schulen reicht, eine systematische Sprachförderung für alle Altersklassen in der Schule bietet. Insbesondere die Vorlaufkurse, die mittlerweile über 110.000 Kinder vor der Einschulung besucht haben, sind ein Erfolgsmodell und wurden von anderen Bundesländern übernommen.“

Hessische Viertklässler in Deutsch besser als im Durchschnitt der Länder

Die Leseleistungen der hessischen Schülerinnen und Schüler haben sich seit 2011 verbessert und liegen nun über dem Durchschnitt der Bundesländer. Mit 499 Punkten auf der Leistungsskala im Lesen und 490 im Zuhören steht Hessen nun an vierter Stelle, nach Bayern, Sachsen und Schleswig-Holstein. In Hessen übertrafen somit deutlich mehr Schüler die sogenannten Regelstandards der länderübergreifenden Bildungsstandards in Deutsch als im Jahr 2011; gleichzeitig erreichten auch wesentlich mehr Viertklässler am unteren Ende des Leistungsspektrums die sogenannten Mindeststandards. Die Leseleistungen der Schülerinnen und Schüler ohne Zuwanderungshintergrund sind sogar die drittbesten nach Bayern und Hamburg.

Überdurchschnittliche Rechtschreibkompetenzen in Hessen

Auch in der Rechtschreibung zeigen die hessischen Grundschülerinnen und Grundschüler überdurchschnittlich gute Leistungen. Deutlich mehr Kinder erreichen die Mindeststandards (80,7%) als im Durchschnitt der Länder (77,9%) und überdurchschnittlich mehr erreichen oder übertreffen sogar die Regelstandards (56%, gegenüber 53,9% in Deutschland). In Deutschland insgesamt haben die Rechtschreibkenntnisse der Grundschüler seit 2011  erheblich nachgelassen.

Mathematikleistungen trotz bundesweitem Abwärtstrend stabil

Die Beherrschung von Deutsch als Bildungssprache ist auch Voraussetzung für den Lernerfolg in Mathematik. Im Vergleich der Länder zeigen sich auch hier die Erfolge der hessischen Anstrengungen: In Mathematik hat Hessen seine Position im Vergleich zu den anderen Ländern merkbar verbessern können. Die Leistungen der hessischen Grundschülerinnen und Grundschüler liegen nun mit 484 Punkten leicht über dem Ländermittel, nachdem sie 2011 noch erheblich unterdurchschnittlich waren. Hessen konnte sich dabei trotz der veränderten Zusammensetzung der Schülerschaft einem breiten Abwärtstrend entziehen. 61,5% der hessischen Viertklässlerinnen und Viertklässler erreichen dabei unverändert die Regelstandards in Mathematik. In den anderen Ländern ist dieser Anteil seit 2011 um rund 6 Prozentpunkte auf 62,2% gesunken.

Sechs von sieben Grundschülerinnen und Grundschülern in Hessen (85,4%) erreichen die Mindeststandards, d.h. den mindestens zu erreichenden Lernstand am Ende der 4. Klasse. Dies sind mehr als im Durchschnitt der Länder, wo dieser Anteil seit 2011 um 3,5 Prozentpunkte zurückgegangen ist.  Dieser relative Erfolg bei der Förderung leistungsschwächerer Schüler gelang außer Hessen nur Bayern, Berlin, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Zuwanderungsbedingte Leistungsunterschiede werden in Hessen geringer

Den hessischen Grundschulen gelingt es, die sprachlich bedingten Startnachteile der Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungshintergrund teilweise auszugleichen: Grundschülerinnen und Grundschüler mit einem nicht in Deutschland geborenen Elternteil konnten ihre Leseleistungen seit 2011 um den Lernzuwachs eines halben Schuljahres steigern (30 Punkte); sie sind damit ebenso gut wie der Durchschnitt aller Schüler in Deutschland. Schüler, deren Eltern beide im Ausland geboren sind, sind zwar gut in die Schule integriert und zeigen eine sehr hohe Schulzufriedenheit, weisen allerdings weiterhin Lernrückstände gegenüber ihren Mitschülern auf.

Mädchen weiterhin besser im Lesen, Unterschiede in der Rechtschreibung werden kleiner

Die Leistungen der Mädchen und Jungen sind auch weiterhin fächerspezifisch unterschiedlich. Während die Mädchen einen deutlichen Vorsprung im Lesen und Zuhören zeigen, haben die Jungen einen, allerdings kleineren, Vorsprung in Mathematik. Zwar sind die Mädchen auch in der Rechtschreibung besser als die Jungen, doch sind hier die Unterschiede wesentlich  geringer als in den anderen Ländern (25 Punkte in Hessen, 33 in Deutschland).

Insgesamt gesehen liegt Hessen im Vergleich der Bundesländer an fünfter Stelle, nach Bayern, dem Saarland, Sachsen und Schleswig-Holstein. Nur in diesen fünf Ländern liegen die Ergebnisse in allen vier untersuchten Bereichen Lesen, Zuhören, Orthografie und Mathematik, über dem Durchschnitt aller Bundesländer.

„Der Bildungstrend als von den Ländern gemeinsam beschlossene, ehrliche Bestandsaufnahme, zeigt, dass Hessen mit seinen besonderen Bemühungen um die Stärkung der Grundschulen die Herausforderungen dort frühzeitig erkannt hat und damit auf einem erfolgreichen Weg ist. Mit dem jüngst vorgestellten Maßnahmenpaket zur Unterstützung und Entlastung unserer Grundschulen, wozu auch der zukünftige Grundwortschatz gehört, gehen wir den Weg einer umfassenden Sprachförderung zum Erlernen von Deutsch als Bildungssprache unserer jüngsten Schülerinnen und Schüler konsequent weiter“, so der Kultusminister abschließend.

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Pressesprecher: 
Stefan Löwer