Erwachsenenbildung

Kultusminister Lorz feiert 100-jähriges Bestehen der vhs Offenbach

29.05.2019Hessisches Kultusministerium

Die vhs Offenbach schreibt seit 100 Jahren Erfolgsgeschichten. Ihr Jubiläum hat sie nun gemeinsam mit Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz gefeiert.

vhs Offenbach
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© Stadt Offenbach / Valentin Popa

„Sie werden Bauklötze staunen“, versprach Moderator Dr. Harry Keaton und zauberte kurzerhand eine Bowlingkugel aus dem Schreibblock hervor. Oder aus den zufällig in der Zeitung gefundenen Hauptwörtern „Gift“, „Vogelflinte“, „Anhebung“ und „Fee“ die Wörter „Vielfalt“, „Offenheit“ und „Begegnung“. Das war beeindruckend, ist aber bei Weitem nicht alles, was in der Volkshochschule Offenbach steckt. Denn da gibt es noch mehr, Bildung natürlich, Reisen, Teilhabe, Ausprobieren, Kennenlernen, kurzum Reifen und Wachsen. Immerhin ist die Volkshochschule Offenbach eine zentrale Anlaufstelle für alle Menschen, die sich bewegen möchten. Sei es, dass sie sich schon immer einmal kreativ austoben oder ihrem Körper etwas Gutes tun wollen, gemeinsam mit Gleichgesinnten neue Rezepte ausprobieren, neue Sprachen lernen oder eine zweite Bildungschance erhalten wollen: In der Berliner Straße 77 finden alle Beratung und das passende Angebot, ob in einem der vielzähligen Kurse oder auch im Selbstlernzentrum. Dass es dieses Angebot seit 100 Jahren gibt, feierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kursteilnehmerinnen und Kursleiter der Volkshochschule Offenbach gemeinsam mit Vertretern der Politik und des Volkshochschulverbandes sowie geladenen Gästen am Dienstag, 28. Mai 2019, in der Alten Schlosserei auf dem Gelände der EVO.

Lernort für alle – lebenslang

Tuba Inal ist nur eine von vielen kleinen und großen Erfolgsgeschichten, von denen im Laufe des Abends berichtet wurde. Sie kam 2001 mit ihren drei Kindern aus Afghanistan nach Deutschland. 2008 konnte sie in ihrem ersten Deutschkurs nur ihren Namen und hat zwischenzeitlich an der vhs den Hauptschulabschluss erworben, eine Ausbildung zur Krankenpflegehelferin absolviert und steht nun am Anfang ihrer Ausbildung zur Krankenschwester. Oder Manju Kumar. Sie kam 1973 aus Indien nach Deutschland, lernte an der vhs und ist heute selbst als Dozentin für indisch-ayurvedische Küche und Englisch aktiv. Einem Reitunfall hat Claudia Homberg ihre Dozententätigkeit zu verdanken, denn während ihrer Rekonvaleszenz entdeckte sie Yoga für sich und arbeitet heute als Entspannungs- und Motivationscoach bei der vhs. Oder Achim Kreutz, der von Geburt an gehörlos, andere in der Gebärdensprache unterweist und jetzt mit seiner Dolmetscherin Andrea Lange dem Moderator und Magier Harry Keaton Rede und Antwort stand. Dabei erfuhren die Gäste unter anderem, dass es in jedem Land zwar eine eigene Gebärdensprache gibt, sich die Gehörlosen aber trotzdem verstehen und dass es aktuell vier verschiedene Gebärden für Kanzlerin Angela Merkel gibt. Ganz ohne viele Worte haben sich Annemarie Uhlmann und ihr inzwischen verstorbener Partner in einem vhs-Kurs über Musik kennengelernt. Daraus entstand eine langjährige Verbindung mit vielen gemeinsamen Unternehmungen, vor allem Studienreisen mit der Volkshochschule. Der vhs ist Uhlmann seit den 80er Jahren treu und besucht, inzwischen 92jährig, aktuell einen Handarbeitskurs, in dem „natürlich auch viel gesprochen wird“.

100 Jahre – auf den Tag genau

„So viel Neugier und Wissensdurst beeindruckt“, so Stadtrat und Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß, „weist aber auch auf den Facettenreichtum und die gesellschaftliche Relevanz der vhs hin. Denn die vhs ist ein Bildungshaus für alle im besten Sinne, und sie besteht seit 100 Jahren.

Das ist ihr sozusagen in die DNA geschrieben, denn schon sieben Monate nach dem Ende des 1. Weltkriegs und noch vor Inkrafttreten der Weimarer Verfassung wurde als Nachfolgeorganisation des 1848 gegründeten Arbeiterbildungsvereins die Volkshochschule Offenbach. Zu den Gründervätern gehörten außerdem der Verein für Volksbildung und Jugendbühnenpflege sowie eine Vorbereitungskommission aus Gewerkschaftern, Fabrikanten, Freiberuflern, Lehrern und bürgerliche Frauen. Nach den Entbehrungen des Kriegs wuchs das Bedürfnis der Bürger nach Unterricht und Bildung, es gab Vorträge in Philosophie, Kunstgeschichte und Naturwissenschaften und ein stetig wachsendes Kursangebot. Von den Nationalsozialisten 1933 gleichgeschaltet, standen nach Ende des 2. Weltkriegs ab November 1945 Kursangebote zur demokratischen Bildung auf dem Programm. Seit dem Jahr 2000 hat die vhs Offenbach ihren Sitz in der Berliner Straße 77, zum Geburtstag bekam sie ein um zusätzliche Flächen erweitertes frisch renoviertes Gebäude, in dem zeitgemäßer Unterricht für alle Generationen, Sprachen, Nationen und Kulturen stattfindet.

vhs als Werkstätten für Demokratie

„Demokratie muss man lernen, da hat Volkshochschule ganz erhebliche Kompetenz. Es ist wichtig in diesen Zeiten Haltung zu zeigen“: Neben Martin Rabanus, Vorsitzender des Deutschen Volkshochschul-Verbandes e.V., war auch Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz zum Jubiläum gekommen: „Hessens Volkshochschulen sind verlässliche Partner, die mit ihren umfangreichen Fort- und Weiterbildungsangeboten an die schulische und universitäre Ausbildung anknüpfen und zum lebenslangen Lernen beitragen. Ich danke der Volkshochschule Offenbach für die gute Zusammenarbeit und gratuliere allen Beteiligten herzlich zu diesem schönen Jubiläum.“

Gekommen war auch Heike Habermann, hier in ihrer Funktion als Vorsitzende des Hessischen Volkshochschulverbandes. Die Offenbacherin hat, bevor sie Politik zu ihrem Haupthobby machte, selbst Kurse bei der vhs besucht und war auch als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache aktiv und hat dabei auch Erfolgsgeschichte mitgeschrieben. Damals wurde in der Frauenbegegnungsstätte bereits 1985 das Angebot „Mama lernt Deutsch“ entwickelt. „Die vhs ist Lernort, sie bewältigt Integration und Inklusion als Daueraufgabe.“ Dabei muss sie beweglich und innovativ sein, Mut und Überzeugung dürfen aber auch nicht fehlen: Seit über 27 Jahren leitet Dr. Gabriele Botte die Geschicke der vhs Offenbach, ein paar Blumen gehörten daher auch ihr. Die überreichte Harry Keaton, dieses Mal nicht aus dem Hut gezaubert und doch überaus charmant.

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Pressesprecher: 
Stefan Löwer
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