Schuljahresbeginn 2016/17

Lehrerstellenversorgung in Hessen auf Allzeithoch

25.08.2016Hessisches Kultusministerium

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Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn 2016/17 am 25.08.2016
Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn 2016/17 am 25.08.2016
© HKM

„Im kommenden Schuljahr werden in Hessen so viele Lehrerstellen zur Verfügung stehen wie noch nie zuvor“, erklärte Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz heute in der traditionellen Pressekonferenz zum Schuljahresbeginn: „Zusammen mit den in diesem Jahr neu geschaffenen 800 Stellen kommen wir auf rund 50.900 Lehrerstellen. Damit erreicht die Zahl der in Hessen zur Verfügung stehenden Lehrerstellen ein Allzeithoch. Wir stellen uns damit den Herausforderungen, vor denen unser Schulsystem aktuell steht. Denn die gesellschaftlichen Veränderungen machen sich immer deutlicher an unseren Schulen bemerkbar: Der Bedarf an mehr Ganztagsangeboten im Grundschulbereich wie auch an weiterführenden Schulen, der Wunsch nach mehr Angeboten inklusiver Beschulung und nicht zuletzt die Herausforderung der schulischen Integration von tausenden Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die als Flüchtlinge und Zuwanderer, aber ohne Kenntnis der deutschen Sprache, zu uns kommen – all das macht aus unserer Sicht diese umfassenden Investitionen erforderlich.“

Insbesondere für die Schulen selbst sind die genannten Veränderungen eine große Herausforderung. „Ich weiß, dass wir unseren Lehrerinnen und Lehrern sowie den Verantwortlichen in den Schulleitungen und in der Schulverwaltung eine Menge abverlangen“, hob Lorz hervor. „Deshalb will ich heute auch als erstes Danke sagen: Danke, dass Sie sich mit so viel Energie und Engagement diesen neuen Aufgaben stellen! Insbesondere der für uns alle unerwartet gekommene Zuzug zehntausender Flüchtlinge nach Hessen hat die Schulgemeinden vor Herausforderungen gestellt, die es in dieser Dimension noch nicht gegeben hat. Die dabei geleistete Arbeit wissen wir sehr zu schätzen“, so der Kultusminister. Die Schulverwaltung habe darauf im vergangenen Schuljahr mit zwei bedeutenden Maßnahmen reagiert:

  1. Mit einer monatlichen Nachsteuerung bei der Zuweisung von Lehrerstellen seit November 2015, damit Schulen flexibel zusätzliche Intensivsprachklassen einrichten können
  2. Mit der Schaffung von rund 800 neuen Stellen insbesondere für neue Lehrkräfte, aber auch für Schulpsychologen und in der Schulverwaltung

„Die Landesregierung hat sich im Entwurf für den Haushaltsplan 2017 darüber hinaus auf die Schaffung von nochmals 1.100 neuen Lehrerstellen verständigt. Damit möchten wir einerseits die Intensivmaßnahmen für die Deutschsprachförderung verstärken, andererseits aber auch die Integration der Schülerinnen und Schüler in die Regelklassen ermöglichen. Dafür wird in einem ersten Schritt schon jetzt, verstärkt aber zum Halbjahreswechsel die Bildung zusätzlicher Klassen ermöglicht“, erläuterte Lorz weiter. „Für eine gelingende Integration wird es vor allem darauf ankommen, die Schülerinnen und Schüler, die neu ins deutsche Schulsystem hinzugekommen sind, so auf Schulen und Klassen zu verteilen, dass diese nicht überfordert werden. Das ist sowohl im Sinne der einheimischen Schülerinnen und Schüler als auch derjenigen, die bei uns eine neue Heimat finden werden. Mit der noch vom Landtag noch zu beschließenden Stellenaufstockung sehen wir uns aber gut gewappnet, um unsere Schulen bestmöglich darauf vorzubereiten und angemessen auszustatten.“

53.000 Erstklässler werden in Hessen eingeschult

Zunächst blicken wir aber auf den Schuljahresbeginn in der kommenden Woche: Im Schuljahr 2016/17 wird in Hessen etwa die gleiche Anzahl an Mädchen und Jungen in die erste Klasse eingeschult wie im vergangenen Jahr: Rund 53.000 Erstklässler werden ab nächster Woche in öffentliche Grundschulen in Hessen gehen. „Während wir in den oberen Jahrgängen nach wie vor zurückgehende Schülerzahlen haben, hat sich die Zahl unserer Erstklässler stabilisiert“, erklärte Kultusminister Lorz. „Zusammen mit dem Anstieg aufgrund von Flucht und Zuwanderung haben wir insgesamt im Vergleich zum Vorjahr eine gestiegene Gesamtschülerzahl von voraussichtlich knapp 771.000 Schülerinnen und Schülern an öffentlichen Schulen in Hessen.“ Diese verteilen sich auf 1.693 allgemeinbildende und 118 berufliche Schulen. Mit Schuljahresbeginn stehen im Stellenplan des Kultusministeriums dafür die bereits genannten rund 50.900 Lehrerstellen zur Verfügung. Ab 1. Januar 2017 stehen dann weitere 1.100 Stellen zur Verfügung, die dem jeweiligen Bedarf entsprechend nach und nach eingesetzt werden können.

Gute Einstellungsmöglichkeiten für Grundschullehrer und Förderschullehrer

„Dieser hohe Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern ist natürlich ein positives Signal für alle ausgebildeten Lehrkräfte, die noch eine Stelle suchen“, erklärte Lorz. „Aus Sicht der Schulverwaltung sehen wir uns auf der anderen Seite der Aufgabe gegenüber gestellt, entsprechend unserer Fachbedarfe qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer zu finden. Wir haben deshalb bereits die Akquise deutlich verstärkt und werben so bspw. auch auf den Startseiten des Kultusministeriums und des Schulamtsportals offensiv um neue Lehrkräfte: 

Sehr gute Einstellungsmöglichkeiten bieten sich derzeit insbesondere im Lehramt für Grundschulen sowie für Lehrkräfte an Berufs- und Förderschulen aller Förderschwerpunkte. „Schulen und Eltern können sich aber sicher sein, dass wir den aktuell bestehenden Bedarf decken können und dabei auch keine qualitativen Abstriche machen: Auf unbefristete Stellen werden wir auch in Zukunft nur ausgebildete Lehrkräfte mit Zweitem Staatsexamen einstellen“, betonte Lorz.

Investitionsschwerpunkte im Ganztag, beim Sozialindex, in der Integration und Sprachförderung sowie bei der Umsetzung der Inklusion

Auch im jetzt beginnenden Schuljahr bilden die vier für diese Legislaturperiode definierten Schwerpunktbereiche das Gros für die Bereitstellung zusätzlicher Lehrerstellen:

  • Ganztagsschulprogramm: 2.212 Stellen, davon 230 zusätzlich im Schuljahr 2016/17 plus Zusatzprogramm in Höhe von 6 Mio. Euro (+ 117 Stellen)
  • Deutschförderung/ Integration: 2.170 Stellen, davon 890 zusätzlich im Vergleich zum Schuljahresbeginn 2015/16 (1.280)
  • Sozialindex: 480 Stellen, davon 60 Stellen zusätzlich 2016/17
  • Inklusiver Unterricht: 2.137 Stellen, davon 135 zusätzlich 2016/17

„Der Ganztagsausbau schreitet im kommenden Schuljahr in großen Schritten voran“, verkündete Kultusminister Lorz mit Blick auf eines der wichtigsten bildungspolitischen Vorhaben der Legislaturperiode. „Damit entsprechen wir dem Wunsch vieler Eltern nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Verbindung mit einem verlässlichen Bildungs- und Betreuungsangebot aus einer Hand. Neben unserem regulären Ganztagsprogramm, aus dem wir insgesamt bis zu 230 neue Stellen zur Verfügung stellen, hat der Hessische Landtag ein 6 Mio. Euro-Zusatzprogramm genehmigt, aus dem heraus wir weitere 117 zusätzliche Stellen finanzieren können.“ Diese kommen zahlreichen Profilerweiterungen und Profilwechseln im Ganztagsprogramm des Landes zugute. Außerdem können elf Schulen neu aufgenommen werden.

Der Pakt für den Nachmittag – das umfangreichste Programm für den Ausbau von Ganztagsangeboten an Grundschulen, das es je in Hessen gab – startet im neuen Schuljahr in zehn weiteren Schulträgerregionen. Nach Einführung des Pilotprojekts im Schuljahr 2015/16 in den Großstädten Frankfurt, Kassel und Darmstadt sowie den Landkreisen Gießen, Darmstadt-Dieburg und Bergstraße kommen nun die Landkreise Groß-Gerau, Main-Taunus, Vogelsberg, Hersfeld-Rotenburg, Hochtaunus, Offenbach, Waldeck-Frankenberg sowie die Städte Gießen, Offenbach und Wiesbaden hinzu. „Wir freuen uns sehr, dass damit im zweiten Jahr nach Einführung bereits die Hälfte aller Schulträger in Hessen dabei sind“, hob Kultusminister Lorz hervor.

25 Inklusive Schulbündnisse in acht Schulträgerbereichen nehmen ihre Arbeit auf

Der weitere Ausbau des inklusiven Unterrichts im Sinne der Wahlfreiheit der Eltern ist eines der Ziele bei der Beschulung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen. Ein Instrument dafür ist die Gründung inklusiver Schulbündnisse in einer Region, mit denen wir alle Entscheidungsträger vor Ort an einen Tisch holen, um gemeinsam den jeweils besten Förderort für jedes einzelne Kind zu finden. Zum Schuljahr 2016/17 starten in acht Schulträgerbereichen die ersten 25 inklusiven Schulbündnisse:

  • Darmstadt-Stadt
  • Gießen-Land
  • Vogelsbergkreis
  • Hersfeld-Rotenburg
  • Hochtaunuskreis
  • Wetteraukreis
  • Landkreis Kassel
  • Landkreis Limburg-Weilburg

Die inklusiven Schulbündnisse sollen hessenweit innerhalb von drei Jahren eingeführt werden. Sie stellen eine konsequente Weiterentwicklung der bisherigen „Modellregionen Inklusive Bildung“ dar. Sie verfolgen das Ziel, dass möglichst kein Elternwunsch auf inklusive Beschulung abgelehnt werden muss, sie übertragen gleichzeitig zentrale Elemente der Modellregionen sukzessive auf ganz Hessen und schaffen damit noch verlässlichere Strukturen. Innerhalb von drei Jahren stehen dafür 210 zusätzliche Stellen zur Verfügung. Kultusminister Lorz betonte: „Dabei steht immer die bestmögliche Förderung jeder Schülerin, jedes Schülers im Mittelpunkt. Hier leisten auch die Förderschulen weiterhin ihren wichtigen Beitrag.“

Islamischer Religionsunterricht geht mit mehr als 3.000 Schülern in sein viertes Jahr

In den vergangenen Wochen wurde viel über die Rolle des Ditib Landesverbandes Hessen als Kooperationspartner für den bekenntnisorientierten Islamische Religionsunterricht (IRU) diskutiert. „Natürlich beobachten wir die weitere Entwicklung mit großer Sorgsamkeit. Ungeachtet der Diskussion funktioniert der IRU in der Schulpraxis in Hessen aber reibungslos und stößt auf eine immer größer werdende Akzeptanz – sowohl bei muslimischen Eltern und ihren Kindern als auch im nicht-muslimischen Umfeld der jeweiligen Schulgemeinden“, erklärte Kultusminister Lorz. Der IRU startet somit am kommenden Montag in sein viertes Schuljahr. Dann werden nach derzeitigem Stand insgesamt 3.166 Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 – 4 (Vorjahr: 2.069) an 56 Schulen teilnehmen. Auch deren Zahl hat sich damit noch einmal um zehn erhöht. Unter den IRU-Schülern sind unter anderem 912 Erstklässler. Da mit diesem Schuljahr erstmals in allen vier Grundschuljahrgängen islamischer Religionsunterricht angeboten wird, ist eine qualitative Evaluation in Vorbereitung.

Der Islamische Religionsunterricht wird ausschließlich von an hessischen Universitäten ausgebildeten und beim Land Hessen beschäftigten Lehrkräften erteilt, die diesen neben anderen Fächern im Rahmen ihres regulären Stundendeputats erteilen. Zum Wintersemester 2016/17 startet an der Goethe-Universität Frankfurt der Studiengang für das Lehramt an Sekundarstufen I (Klassen 5-10) mit dem Unterrichtsfach Islamische Religion. Die Lehramtsausbildung für den Grundschulbereich findet seit dem Wintersemester 2011/12 an der Justus-Liebig-Universität in Gießen statt.

Darüber hinaus starten drei Entwicklungsprojekte neu im Schuljahr 2016/17:

  • Der Schulversuch zur Binnendifferenzierung an Integrierten Gesamtschulen
  • Das Pilotprojekt zur Schulleiterqualifizierung
  • Das neue Fortbildungs- und Beratungskonzept für Lehrkräfte

Schulversuch zur Binnendifferenzierung startet an acht Integrierten Gesamtschulen

Längeres gemeinsames Lernen voneinander und miteinander in verläss­lichen Strukturen kann einen Beitrag zur optimalen Entfaltung der individuellen Potenziale und der Persönlichkeitsentwicklung eines jeden Schülers und einer jeden Schülerin leisten. Bereits heute nutzen 63 Integrierte Gesamtschulen die Möglichkeit in den Jahrgängen 5 und 6 ausschließlich binnen­differenziert zu unterrichten sowie weitere 25 Schulen im Jahrgang 5.

Wie im Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2014 hinterlegt, soll es Integrierten Gesamtschulen zukünftig ermöglicht werden, im Rahmen ihrer pädagogischen Konzeption auch in weiteren Jahrgängen vollständig binnendifferenziert (ohne Aufteilung in Kursen) zu unterrichten. „Im Vorgriff auf die diesbezüglich beabsichtigten Veränderungen des Hessischen Schul­gesetzes ermöglichen wir im kommenden Schuljahr in einem ersten Schritt bis zu acht Integrierten Gesamt­­schulen, mit der Umsetzung dieser pädagogischen Rahmen­bedingungen zu beginnen“, erläuterte der Kultusminister. Der Klassenteiler für diese Schulen werde aufbauend ab Jahrgang 5 auf 25 Schülerinnen und Schüler abgesenkt. Im Rahmen eines Schulversuchs im Schuljahr 2016/2017 wird dafür eine schüler­bezogene zusätzliche Zuweisung umgesetzt. Der Zuschlag für Klassen über Teiler beträgt 1 Stunde pro Schüler/in. Unterstützt werden diese Schulen durch die Expertise der Versuchsschulen, die ihre Erfahrung im Bereich der Umsetzung von Binnendifferenzierung den Tandemschulen zur Verfügung stellen.

Ab dem Schuljahr 2017/2018 ist dann aufsteigend ab Jahrgang 5 die Umsetzung des 25er-Teilers für alle Integrierten Gesamtschulen geplant, die in dem jeweiligen Jahrgang vollständig binnen­differenziert arbeiten.

Neues Qualifizierungsmodell für künftige Schulleitungen

Die bereits angesprochenen Themen zeigen beispielhaft, wie vielfältig die Anforderungen an das Schulsystem geworden sind. „Wir möchten daher unsere Schulleitungen sowie Lehrkräfte zukünftig noch gezielter auf ihre herausfordernden Tätigkeiten vorbereiten und auf diesem Weg unterstützen“, erläuterte Kultusminister Lorz. Dazu habe das Kultusministerium für künftige Schulleitungen ein neues Qualifizierungsmodell entwickelt, das mit Beginn dieses Schuljahres in einer Pilotphase erprobt werde. Es ist vorgesehen, dass Lehrkräfte, die Schulleiterin oder Schulleiter werden wollen, zukünftig eine verbindliche, umfangreiche und fundierte Vorbereitung durchlaufen. Diese besteht aus einer Vorbereitungsphase und einem Eignungsfeststellungsverfahren, ist berufsbegleitend und erstreckt sich über etwa ein Jahr. Zum Schuljahr 2016/2017 ist eine erste Pilotierung im Kooperationsverbund Mitte, der die Staatlichen Schulämter in Gießen, Marburg, Friedberg und Weilburg umfasst, geplant. Im Anschluss daran ist beabsichtigt, das Modell zu evaluieren und bei Bedarf anzupassen. Anschließend soll das Qualifizierungsmodell mit einer Übergangsregelung in ganz Hessen eingeführt werden.

Lehrkräfteakademie erarbeitet neues Fortbildungs- und Beratungskonzept

Außerdem werde die Hessische Lehrkräfteakademie in diesem Schuljahr ein neues Fortbildungs- und Beratungskonzept für Lehrkräfte einführen, sagt Lorz weiter. Schwerpunkte seien dabei nicht nur Inhalte wie sprachsensibler Unterricht, Ganztag oder Inklusion, sondern auch die Bereiche Lesen, Schreiben und Rechnen sowie Berufsberatung und Medienbildung.

Zum Abschluss wünschte Kultusminister Alexander Lorz allen Schülerinnen und Schülern sowie ihren Lehrerinnen und Lehrern einen erfolgreichen Start in das neue Schuljahr!

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Stefan Löwer