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Dreistufiges Maßnahmenpaket

Lehrkräftebedarf steigt – Hessen handelt!

Thema: 
Ganztag, Inklusion, Berufliche Bildung
01.02.2017Hessisches Kultusministerium

Kultusminister Lorz initiiert dreistufiges Maßnahmenpaket zur Gewinnung von Grund- und Förderschullehrern

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Lehrer
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In Hessen steigt der Bedarf nach Lehrkräften – insbesondere im Grundschul- und Förderschulbereich. Der Grund dafür liegt in der in den vergangenen 18 Monaten erheblich angestiegenen Schülerzahl. So hat Hessen seitdem rund 25.000 Schülerinnen und Schüler zusätzlich aufgenommen, die als Zuwanderer oder Flüchtlinge nach Hessen gekommen sind und in der Regel über keine oder nur geringe Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen. „Diese Entwicklung war noch vor zwei Jahren nicht vorauszusehen“, erklärte Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz. „Die hessischen Schulen und insbesondere unsere Schulleitungen sowie Lehrerinnen und Lehrer erbringen dabei eine enorme Integrationsleistung, die man gar nicht genug würdigen kann.“ Politik und Verwaltung leisteten ihren Beitrag unter anderem dadurch, dass sie zur Bewältigung dieser Aufgabe zunächst 2016 rund 800 neue Stellen für Lehrerinnen und Lehrer geschaffen haben und in diesem Jahr noch einmal rund 1.100 neue Stellen zur Verfügung stellen. Hinzu kommt, dass ab dem Schuljahr 2017/18 aufgrund der vereinbarten Arbeitszeitreduktion 600 neue Stellen geschaffen werden. In Summe sind das rund 2.500 zusätzliche Stellen, die 2013/14 noch nicht eingeplant waren und für die entsprechend ausreichend Lehrkräfte gefunden werden müssen.

Der deutlich angestiegene Lehrkräftebedarf macht sich vor allem an Grund- und Förderschulen bemerkbar. Hier kommt hinzu, dass das Land in den vergangenen drei Jahren bereits erheblich mehr Ressourcen zur Verfügung gestellt hat, um das Angebot von Ganztagsplätzen auszubauen und dem Wunsch nach inklusiver Beschulung für Kinder mit und ohne Beeinträchtigung nachzukommen. „Die gute Botschaft, dass wir die Schulen in Hessen immer besser ausstatten, trifft dabei auf das kleiner werdende Angebot an Lehrkräften“, erläuterte der Kultusminister weiter. „Wichtig ist mir dabei zu betonen, dass wir die von der Landesregierung seit langem geplanten zusätzlichen Ressourcen für Grundschulen ohne den außerordentlichen Schülerzuwachs mit dem Angebot an ausgebildeten Lehrern hätten decken können.“

Der steigende Lehrkräftebedarf und die daher prognostizierte Unterdeckung bei der personellen Versorgung ab dem kommenden Schuljahr 2017/18 haben sich seit Beginn des laufenden Schuljahres abgezeichnet. Die im Hessischen Kultusministerium für die Lehrkräfteversorgung zuständigen Fachbeamten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hessischen Lehrkräfteakademie haben seitdem an einem Konzept zur Sicherung des Lehrkräftebedarfs gearbeitet. Neben der bereits seit mehreren Monaten verstärkten Werbung für die Einstellung in den hessischen Schuldienst sieht das nun vorliegende Konzept ein Paket von drei Schwerpunkt-Maßnahmen vor.

Welche Maßnahmen plant das Kultusministerium?

  1. kurzfristig wirkend: Reaktivierung von Pensionären
  2. mittelfristig wirkend: Programm zur Weiterbildung für das Lehramt an Grundschulen bzw. Förderschulen
  3. langfristig wirkend: Ausweitung von Ausbildungskapazitäten an Hochschulen

Reaktivierung von Pensionären
Bereits in der 3. Januarwoche hat das Hessische Kultusministerium rund 1.600 ehemalige Lehrerinnen und Lehrer und 580 Lehrkräfte, die in den kommenden Monaten regulär in den Ruhestand treten, angeschrieben mit der Bitte, über eine zeitlich befristete Rückkehr bzw. eine Verlängerung ihrer Dienstzeit nachzudenken. „Wir konzentrieren uns dabei auf diejenigen Lehrerinnen und Lehrer, die maximal bis zu zwei Jahren im Ruhestand bzw. zurzeit noch aktiv im Dienst sind“, sagte Lorz. „Die Verlängerung ihrer Dienstzeit ist sicherlich nicht für jeden der Angeschriebenen interessant. Wir wissen aber, dass es viele Lehrerinnen und Lehrer gibt, die mit viel Herzblut und Engagement ihren Job ausgeübt haben und gerne bereit sind, für einen gewissen Zeitraum weiterhin zu unterrichten.“ Das habe sich bereits im vergangenen Jahr gezeigt, als das Land im Zuge des Einsatzes von Lehrern für die Deutschsprachförderung erstmals junge Pensionäre angeschrieben habe. In den ersten zwei Wochen haben wir bereits mehr als 150 positive Rückmeldungen erhalten von Personen, die an einer Weiterbeschäftigung Interesse haben. „Hier bietet sich für uns ein Potenzial von hervorragend ausgebildeten und erfahrenen Pädagogen, die wir für maximal zwei Jahre beschäftigen werden. Den Weg, den andere Länder mittlerweile gehen, auf feste Stellen Quereinsteiger ohne Lehramtsexamen zu setzen, ist für uns keine Option“, so der Kultusminister.

Gymnasial-, Haupt- und Realschullehrer für Einsatz an Grund- und Förderschulen gewinnen
„Darüber hinaus werden wir examinierten Gymnasial-, Haupt- und Realschullehrkräften, die bislang noch kein Angebot zur Einstellung erhalten haben, eine Beschäftigungsmöglichkeit an Grund- oder Förderschulen eröffnen“, erläuterte Lorz weiter. „Mit diesem Angebot geben wir jungen Lehrerinnen und Lehrern die Chance auf eine unbefristete Beschäftigung.“ Mit einer zusätzlichen Qualifizierung in Grundschul –oder Förderschulpädagogik sollen sie fit gemacht werden für den Einsatz an diesen Schulformen. „Selbstverständlich soll ihnen nach einer Übergangszeit, für die sie sich zum Einsatz an einer Grund- oder Förderschule verpflichtet haben, auch die Möglichkeit zur Beschäftigung an der ursprünglich von ihnen gewählten Schulform gegeben werden.“

Ausweitung von Ausbildungskapazitäten an Hochschulen
Und schließlich ist das Hessische Kultusministerium bereits mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und den hessischen Universitäten, die Lehrerinnen und Lehrer ausbilden, darüber im Gespräch die Ausbildungskapazitäten auszuweiten. Denn es ist keinesfalls so, dass es zu wenig Bewerberinnen und Bewerber gibt. Allerdings entspricht die Zahl der Studienplätze aktuell nicht dem gewachsenen Lehrkräftebedarf. Doch auch hier gilt: Vor fünf bis sieben Jahren war der deutlich höhere Lehrkräftebedarf nicht absehbar, da man von weiterhin sinkenden Schülerzahlen ausging.

Gestiegener Lehrkräftebedarf trifft zurzeit alle Bundesländer

Der gestiegene Lehrkräftebedarf und die derzeit prognostizierte Unterdeckung sind im Übrigen eine Herausforderung, vor der alle Bundesländer stehen. Zurzeit stellen quasi alle Bundesländer mehr Lehrerinnen und Lehrer zur Deckung des Bedarfs ein als sie ursprünglich vorgesehen hatten. Das führt dazu, dass bspw. auch Länder wie Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ebenfalls um Pensionäre werben und diese einstellen. In Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein werden sogar vermehrt Quereinsteiger auf feste Stellen eingestellt, ohne dass sie über eine pädagogische Qualifizierung verfügen oder adäquat weitergebildet werden. Und für Hessen bedeutet das, dass auch die Zahl der ausgebildeten Lehrkräfte aus anderen Bundesländern, die sich um eine Einstellung in den hessischen Schuldienst bewerben, fast auf null gesunken ist.

„Mit der Sicherung des Lehrkräftebedarfs stehen wir aktuell vor einer besonderen Herausforderung. Wir können uns nicht von heute auf morgen neue Lehrerinnen und Lehrer backen. Mit den nun geplanten Maßnahmen sind wir aber davon überzeugt, dass wir den Lehrerbedarf an Grund- und Förderschulen werden decken können. Denn um die Dimension klarzumachen: Die voraussehbare Lücke liegt zwischen 200 und 300 Stellen. Das entspricht circa zwei Prozent des gesamten Stellenumfangs im Grundschulbereich. Die Grundunterrichtsversorgung ist in ganz Hessen heute wie auch im kommenden Schuljahr sichergestellt. Geplante Unterrichtausfälle, wie sie in den 1990er-Jahren in Hessen gang und gäbe gewesen sind, wird es in Hessen nicht geben“, betonte Kultusminister Lorz abschließend.

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Pressesprecher: 
Stefan Löwer