Lese-und Schreibkompetenz

Mit Entschlossenheit für Alphabetisierung und Grundbildung

Thema: 
Sprachförderung
08.05.2018Hessisches Kultusministerium

Kultusminister Lorz und Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen geben in Wiesbaden Startschuss zu landesweiten Aktionstagen „Lesen und Schreiben“

lorz-hambuechen-elw.jpg

Kultusminister Lorz mit Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen
Kultusminister Lorz mit Turn-Olympiasieger Fabian Hambüchen
© HKM

Als Erwachsener noch einmal Lesen und Schreiben zu lernen oder sich darin zu verbessern, ist keineswegs selbstverständlich und erfordert viel Mut. Grund genug, mit einem bekannten Gesicht wie Olympiasieger Fabian Hambüchen als Botschafter für Alphabetisierung und Grundbildung  diesem Tabu-Thema Öffentlichkeit zu verschaffen. Dazu hat heute Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz gemeinsam mit dem ehemaligen Turner im Rahmen der Aktionstage die Entsorgungsbetriebe der Landeshauptstadt Wiesbaden (ELW) besucht, die sich mit Unterstützung des örtlichen Grundbildungszentrums für die Verbesserung der Lese-und Schreibkompetenz ihrer Beschäftigten einsetzen.

„Grundvoraussetzungen gesellschaftlicher Teilhabe“

Beim Besuch hob der Kultusminister die besondere Bedeutung der Themen Alphabetisierung und Grundbildung hervor: „Lesen und Schreiben sind Grundvoraussetzungen gesellschaftlicher Teilhabe. Ich bin stolz, mit Fabian Hambüchen ein echtes Vorbild gewonnen zu haben, denn es gibt wohl kaum jemanden, der glaubhafter zum Ausdruck bringen kann, dass Engagement, Fleiß und Durchhaltevermögen auch nach schwierigen Phasen zu einem großartigen Ergebnis führen können. Mit seiner Unterstützung wollen wir auf das Thema aufmerksam machen und unserem Anliegen ein Gesicht geben.“ Denn schließlich seien allein in Hessen rund eine halbe Million Menschen von funktionalem Analphabetismus betroffen.

Das bestätigt auch die Geschichte von Herrn L., der seit vielen Jahren bei den ELW im Bereich Müllabfuhr und Straßenreinigung arbeitet. „Er hat mir erzählt, dass er es bedauert, seinen eigenen Enkeln keine Märchen vorlesen zu können“, sagt Maria Brennecke, Mentorin für Alphabetisierung und Grundbildung. „Er hat Lesen und Schreiben in seinem Beruf nicht gebraucht und im Laufe der Jahre mehr und mehr verlernt, was man ihm in der Schule beigebracht hat.“

Kampagne „Mach Dich stolz! Trainiere Lesen und Schreiben“

„Mit der diesjährigen Kampagne „Mach Dich stolz! Trainiere Lesen und Schreiben“ und den damit verbundenen Aktionstagen wollen wir das Thema weiter ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken und Menschen Mut machen, die Unterstützung der Grundbildungszentren in Anspruch zu nehmen“, ergänzte der Minister. Bereits im vergangenen September hat das Kultusministerium einen Imagefilm mit Fabian Hambüchen gedreht, der u.a. in den Halbzeitpausen sportlicher Großveranstaltungen wie z.B. bei hessischen Bundesligisten und beim Skiweltcup in Willingen gezeigt wurde. Die jüngst gestartete Plakatkampagne in Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Kassel und Wiesbaden knüpft daran an und macht auf die Besuchsreihe Hambüchens am 8. und 9. Mai in den dort angesiedelten Grundbildungszentren aufmerksam. Dort erfährt er u.a. mehr über die Unterstützungsmöglichkeiten der Einrichtungen und ihrer Kooperationspartner und beantwortet interessierten Besucherinnen und Besuchern Fragen zu den besten Durchhaltestrategien.

„Ich habe in meiner Karriere viele Siege aber auch schmerzliche Rückschläge einstecken müssen, war immer wieder verletzt und weiß, wie es ist, den eigenen Erwartungen und denen anderer nicht immer gerecht zu werden. Es hätte zahlreiche Gründe gegeben, das Handtuch zu werfen, aber ich habe gelernt, geduldig zu trainieren, den Glauben an mich selbst nicht zu verlieren und die Hilfe anderer anzunehmen“, sagte Hambüchen und ergänzte: „Als Erwachsener lesen und schreiben zu lernen erfordert Entschlossenheit, hartes Training und viel Disziplin. Ich möchte dabei helfen, Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten zu motivieren, die Beratung und Hilfe von Profis aufzusuchen und anzunehmen. Denn jede und jeder von uns kann lesen und schreiben lernen!“

Fortbildung für Lehrkräfte

Um das Thema Prävention von funktionalem Analphabetismus stärker an Schulen zu etablieren, gibt es seit 2017 außerdem eine zweitägige Fortbildung. Während im vergangenen Jahr Lehrkräfte der Sekundarstufe I im Fokus der Fortbildung standen, richtet sich die Maßnahme in diesem Jahr an Lehrkräfte der beruflichen Schulen. Die Veranstaltung hat das Ziel, sie über unzureichende Lese-, Schreib- und Grundbildungskompetenzen Erwachsener zu informieren und zu erarbeiten, welche Konzepte und Verfahren aus der Unterrichtspraxis der Erwachsenenbildung für die Berufsschule übernommen werden können. „Wir verschließen uns diesem Thema nicht, sondern packen es engagiert an. Mit den fünf Grundbildungszentren haben wir kompetente Kooperationspartner gefunden, die vor Ort Betroffenen helfen und ihnen beratend zur Seite stehen. Auf das Geleistete können alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Recht stolz sein und ich bin mir sicher, dass wir mit unserer Kampagne noch mehr Menschen – Betroffene und ihr Umfeld – erreichen werden“, so Lorz abschließend.

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Stefan Löwer
Schließen