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Wertevermittlung

„Rassismus, Ausgrenzung und Judenfeindlichkeit machen nicht vor der Sporthalle oder dem Chemieraum Halt.“

Thema: 
Rund um das Schuljahr
16.05.2019Hessisches Kultusministerium

Kultusminister Lorz stellt neue Handreichung zur Unterstützung von Lehrkräften vor

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Klassenzimmer
© GlobalStock / iStock

Populistische Anfeindungen von links und rechts, plumpe Vereinfachungstendenzen in den sozialen Netzwerken oder antisemitische Äußerungen auf dem Schulhof verdeutlichen, dass die Werte des Grundgesetzes auch im 70. Jahr seines Bestehens immer wieder aufs Neue vermittelt und verteidigt werden müssen. Um Lehrkräften einen Leitfaden zum Umgang mit gesellschaftspolitischen Problemstellungen im Schulalltag zu geben, hat Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz heute gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler Prof. Dr. Tilman Mayer die Handreichung „Grundrechtsklarheit, Wertevermittlung, Demokratieerziehung“ vorgestellt. Bei der offiziellen Präsentation in Wiesbaden betonte der Kultusminister: „Wertevermittlung, Demokratieerziehung und ein solides Verständnis der Grundrechte sind seit jeher feste Bestandteile hessischer Bildungspolitik. Es ist uns deshalb ein besonderes Anliegen, Lehrkräfte noch besser zu unterstützen und ihnen einen Leitfaden an die Hand zu geben, der ihnen immer dann hilft, wenn sie Rat im Umgang mit extremistischem Verhalten im Unterricht und bei der Demokratie- und Wertevermittlung in der Schule benötigen.“

Themenanregungen und Zugriffsmöglichkeiten

Die Handreichung enthält zahlreiche konkrete Themenanregungen und Zugriffsmöglichkeiten für die Unterrichtspraxis sowie pädagogische und rechtliche Hinweise zum Umgang mit Konfliktsituationen. „Unsere Handreichung richtet sich explizit an alle Lehrkräfte, denn Rassismus, Ausgrenzung und Judenfeindlichkeit machen nicht vor der Sporthalle oder dem Chemieraum Halt“, so Lorz weiter. Die Broschüre sei mehr als ein bloßes Werkzeug, mit dem Schäden im Nachhinein repariert würden. „Vielmehr bieten wir unseren Lehrkräften Ansätze, wie sie präventiv tätig werden können und dadurch extremistische Gesinnungen und Tendenzen unter ihren Schülerinnen und Schülern gar nicht erst entstehen lassen.“ Hessen stelle die Handreichung daher allen Schulen zur Verfügung. Zudem bestehe die Möglichkeit, die Ausgabe digital auf der Internetseite des Kultusministeriums herunterzuladen. Auf Grundlage der Inhalte der Broschüre wird es außerdem eine Fortbildungsreihe für Lehrkräfte geben.

„Der Staat ist keine wertneutrale Institution, sondern der Demokratie verpflichtet“, erklärte Prof. Mayer, Inhaber des Lehrstuhls für Politische Theorie, Ideen- und Zeitgeschichte am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn. Zuvor war er unter anderem zehn Jahre am Lehrstuhl für Didaktik der Sozialkunde und Politische Wissenschaft an der Universität Würzburg tätig.  „Das Einüben einer demokratischen Verhaltenskultur muss deshalb schon in den Schulen beginnen. Pädagoginnen und Pädagogen müssen in der Lage sein, Demokratieerziehung sowohl zu leisten als auch durch das Lernen von zivilen Umgangsformen unter Schülerinnen und Schülern zu plausibilisieren. Die Broschüre gibt viele Anregungen und Empfehlungen, wie das gelingen kann.“

Weitere Maßnahmen und Projekte in Hessen

Der Leitfaden reiht sich ein in eine Fülle von Maßnahmen, die in jüngster Zeit bereits angestoßen wurden bzw. in diesem Jahr umgesetzt werden: Das Projekt „Netzwerk-Lotsen“ zur Schulung bei Fragen und Konfliktfällen im Kontext extremistisch oder antisemitisch motivierten Verhaltens, das Präventions-, Interventions- und Beratungsprogramm „Antisemitismusprävention an hessischen Schulen“ gemeinsam mit der Bildungsstätte Anne Frank, die Bundesfachtagung der UNESCO-Projektschulen und die Demokratiewerkstatt „70 Jahre Grundgesetz“ im September sowie die „Grundrechte-Arena“ der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, bei der sich Schülerinnen und Schüler aktiv mit Grundrechten auseinandersetzen. Zusätzlich hat die Kultusministerkonferenz auf Initiative Hessens jüngst beschlossen, allen Schülerinnen und Schülern während ihrer Schullaufbahn ein Grundgesetz zur Verfügung zu stellen.

Gesellschaftspolitische Herausforderungen

„Wir verschließen nicht die Augen vor gesellschaftspolitischen Herausforderungen, sondern gehen sie konsequent und entschlossen an. Mit unseren Veranstaltungen und Projekten bringen wir zum Ausdruck, von welch unschätzbarem Wert die demokratischen Grundrechte für unser Zusammenleben sind und dass wir keine Alternative akzeptieren. Die Handreichung ist ein weiterer Baustein in der Demokratieerziehung unserer Schülerinnen und Schüler. Dass wir damit bereits nach wenigen Monaten einen wichtigen Aspekt des Koalitionsvertrags abarbeiten, freut mich natürlich besonders“, hielt Minister Lorz abschließend fest.

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Stefan Löwer
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