Modellregionen Inklusive Bildung

Inklusive Bildung im Wetteraukreis – Wetterau wird Modellregion

18.12.2013Hessisches Kultusministerium

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Kultusstaatssekretär Prof. Dr. Alexander Lorz und ein Vertreter des Wetteraukreises unterzeichnen eine Vereinbarung über die Modellregion „Inklusive Bildung im Wetteraukreis“
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„Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf Bildung.“ Das ist der erste Satz im Vorwort zur Vereinbarung zwischen dem Land Hessen und dem Wetteraukreis über die Modellregion „Inklusive Bildung im Wetteraukreis“. Am heutigen Mittwoch wurde die Vereinbarung von Kultusstaatssekretär Prof. Dr. Alexander Lorz, Landrat Joachim Arnold und Erstem Kreisbeigeordneten Helmut Betschel-Pflügel unterzeichnet. Damit sich Kinder ohne Diskriminierung mit gleichen Chancen entwickeln können, gewährleisten das Land Hessen und der Wetteraukreis gemeinsam in partnerschaftlicher Kooperation ein inklusives Bildungssystem in der Wetterau. Dabei sollen die menschlichen Möglichkeiten sowie das Bewusstsein der Würde und das Selbstwertgefühl der Menschen voll zur Entfaltung gebracht und die Achtung vor Menschenrechten, den Grundfreiheiten und der menschlichen Vielfalt gestärkt werden.

Entwicklung eines inklusiven Schulsystems in Hessen

„Wir wollen Menschen mit Behinderungen zur wirksamen Partizipation an der freien Gesellschaft befähigen. Um dieses Ziel zu erreichen gehen wir hiermit in der Entwicklung eines inklusiven Schulsystems in Hessen wieder einen Schritt weiter: Indem der Kreis Wetterau und der Hochtaunuskreis Modellregion „Inklusive Bildung“ sind, werden im gesamten Schulamtsbezirk flächendeckend inklusive Strukturen geschaffen. Die hier gesammelten Erfahrungen für die Umsetzung in einem Schulamtsbezirk werden landesweit von großer Bedeutung sein“, unterstreicht Kultusstaatssekretär Prof. Dr. Lorz.

„Immer mehr Eltern möchten, dass ihr Kind, trotz Beeinträchtigung oder Behinderung an einer regulären Grundschule unterrichtet wird. Dem wollen wir so weit möglich nachkommen. Mit der Anerkennung als Modellregion Inklusion Bildung kommen wir auf diesem Weg ein großes Stück voran“, so Landrat Joachim Arnold. Derzeit gibt es im Wetteraukreis fünf Förderschulen (Brunnenschule Bad Vilbel, Gabriel-Biel-Schule Butzbach, Helmut-von-Bracken-Schule Friedberg, Gudrun-Pausewang-Schule Nidda und die Erich-Kästner-Schule in Ortenberg). Hier werden insgesamt 860 Schülerinnen und Schüler unterrichtet, das sind 2,8 Prozent aller Wetterauer Schülerinnen und Schüler. Im Landesdurchschnitt besuchen 4,5 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine Förderschule.

Förder- und kompetenzorientierte Unterrichtsangebote

„Der hessische Aktionsplan zur Umsetzung der UN- Behindertenrechtskonvention setzt im Bereich Bildung das langfristige Ziel die Förderschulbesuchsquote auf 4 Prozent zu senken. Mit dem Abbau stationärer Systeme kommen wir diesem Ziel sukzessiv näher. Die ursprüngliche Planung war auf zwei Modellregionen in Hessen reduziert, daher freut es mich umso mehr, dass es uns gelungen ist noch in dieser Legislaturperiode eine dritte Modellregion Inklusive Bildung auszurufen“, bekräftigte Staatssekretär Prof. Lorz. Konkret wird die Modellregion Wetterau inklusive Bildungsangebote entwickeln, die dem Bedarf aller Schülerinnen und Schüler angepasst sind. Ein wesentlicher Bestandteil dieser inklusiven Bildungsangebote ist das Vorhalten förder- und kompetenzorientierter Unterrichtsangebote für Schülerinnen und Schüler mit und ohne Beeinträchtigungen.

Ein individuell passgenaues Bildungsangebot für eine heterogene Schülerschaft berücksichtigt unterschiedliche Einflussfaktoren wie den Anspruch auf sonderpädagogische Förderung, die sozial-emotionale Entwicklung, den familiären Hintergrund, Genderaspekte und anderes mehr und überführt diese in ein entsprechendes Unterrichtsangebot.

Zwei Förderschulen bleiben bestehen

„Inklusive Bildung ist ein richtiger Schritt, aber er eignet sich vielleicht nicht für alle. Deshalb wollen wir auch in Zukunft das Angebot von zwei Förderschulen aufrechterhalten, in denen Kinder besonders gefördert werden können“, erläutert Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel-Pflügel. In der Erich-Kästner-Schule in Ortenberg und der Helmut-von-Bracken-Schule in Friedberg bleiben die stationären Förderschulklassen im erforderlichen Umfang erhalten, um eine unmittelbare Aufnahme in die Förderschule auf Antrag der Eltern zu gewährleisten.

An der Brunnenschule, der Gabriel-Biel-Schule und der Gudrun-Pausewang-Schule werden die stationären Förderschulklassen bis zum Schuljahr 2017/18 auslaufen. An allen fünf Förderschulen werden  regionale Beratungs- und Förderzentren aufgebaut.

Lehrerstellen bleiben erhalten

Im Mittelpunkt der Entwicklung zur Modellregion steht der flächendeckende Ausbau inklusiver Angebote nicht nur im Grundschulbereich, sondern auch sukzessive im Bereich der weiterführenden Schulen, insbesondere im Förderschwerpunkt Lernen, im Fokus. Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen wird so noch umfassender die Möglichkeit geboten, eine allgemeine Schule zu besuchen. Der Staatssekretär bekräftigt das Ziel, die hier beim Abbau stationärer Systeme frei werdenden Stellen in der Region zu belassen und zur Stärkung und Ausbau des Inklusiven Unterrichts im Wetteraukreis einsetzen. Aktuell sind 64,1 Förderschullehrerstellen für die Grundunterrichtsversorgung im Förderschwerpunkt Lernen zugewiesen.

Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel-Pflügel betonte seinerseits den Willen des Wetteraukreises, die bei Freien Trägern vorgehaltenen sozialpädagogischen Fachkräfte, die in Erziehungshilfeklassen eingesetzt sind, im vorhandenen Stellenumfang zu erhalten und in einem ersten Schritt zwei dieser Sozialpädagogen in das Modell einzubringen. Darüber hinaus wird der Wetteraukreis für alle Standorte von Beratungs- und Förderzentren 20.000 Euro für Betriebsmittel und 40.000 Euro als zentrales Budget „Einrichtungen“ zur Verfügung stellen. „Zudem werden wir an den künftigen Standorten von Beratungs- und Förderzentren die notwendigen Büroarbeitsplätze für das pädagogische Fachpersonal einrichten“, sagt Betschel-Pflügel. „Wir wollen, dass in der Grundstufe jedes Kind die Grundschule besuchen kann, in deren Schulbezirk seine Wohnung gelegen ist. Wir werden deshalb die allgemeinen Schulen auch baulich auf solche Veränderungen vorbereiten. Das heißt, wir sorgen dann auch für die Infrastruktur an Schulen“, betont Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel-Pflügel.

Prof. Lorz betonte, dass zur Unterstützung der Entwicklung der Modellregion das Land verschiedene Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zur Verfügung stelle. So gäbe es nicht nur für Lehrkräfte und Schulleiterinnen und Schulleiter  umfassende Fortbildungsveranstaltungen zum Thema „Umgang mit heterogenen Lerngruppen“ bzw. eine Begleitung der Entwicklung zur inklusiven Schule, sondern auch angehende Lehrkräfte würden bereits in der zweiten Ausbildungsphase auf das erweiterte Aufgabenfeld gezielt vorbereitet.

Veranstaltungsreihe zu Themen der „Inklusiven Bildung“

Um mögliche Sorgen und Ängste zum Thema „Inklusion“ zu nehmen, wird eine Veranstaltungsreihe zu Themen der „Inklusiven Bildung“ von Land und Kreis gemeinsam durchgeführt. „Das werden öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltungen sein“, stellt Landrat Joachim Arnold heraus. „Dafür werden wir die geeigneten Räume kostenlos zur Verfügung stellen.“ Außerdem übernimmt der Wetteraukreis die Kosten für die Qualifizierung und Fortbildung der sozialpädagogischen Fachkräfte

"Die Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Förderung im Landkreis Wetterau zeichnet sich dadurch aus, dass bestehende Strukturen neu gedacht und somit die sonderpädagogische Versorgung der Regelschulen gestärkt werden. Die Arbeit wird ständig und intensiv evaluiert, um das Konzept kontinuierlich weiterzuentwickeln und gegebenenfalls Korrekturen zeitnah vornehmen zu können. So werden Erfahrungen und Gelingensbedingungen gesammelt, die für die Umsetzung inklusiver Strukturen und die Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Förderung in Hessen unverzichtbar sind. An dieser Stelle möchte ich vor allem den Lehrkräften der allgemeinen Schulen und den Beratungs- und Förderzentren im Landkreis danken, die mit ihrer engagierten Arbeit die inklusive Entwicklung in der Region und damit auch landesweit vorantreiben“, betonte der Staatssekretär.

„Wir gehen mit dieser Vereinbarung einen wichtigen Schritt in Richtung Inklusion und volle Teilhabe von Menschen mit Behinderung an der Gesellschaft. Wir sehen das als echte Chance an, wohnortnah attraktive Angebote zu schaffen und Menschen mit Behinderung den Platz in der Gesellschaft zu verschaffen, der ihnen auch gebührt“, so Landrat Joachim Arnold und Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel-Pflügel.

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Stefan Löwer
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