Bildungsstätte Anne Frank

Neues Präventionsprojekt gegen Antisemitismus an Schulen gestartet

Thema: 
Rund um das Schuljahr
18.03.2019Hessisches Kultusministerium

Lorz: „Antisemitismus ist ein Problem, dem wir in Hessen entschieden entgegentreten.“

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Das Land Hessen und die Bildungsstätte Anne Frank starten neues Präventionsprojekt gegen Antisemitismus an Schulen
© HKM

Mit dem Projekt „Antisemitismusprävention an hessischen Schulen“ starten das Hessische Kultusministerium und die Bildungsstätte Anne Frank ein Präventions-, Interventions- und Beratungsprogramm, das Jugendliche für die Gefahren von Antisemitismus sensibilisieren, bei Konfliktfällen mit antisemitischem Hintergrund Hilfe anbieten und Lehrkräfte bei der Antisemitismus-Prävention im Schulkontext unterstützen soll.

„Antisemitismus ist ein Problem, das uns alle angeht“, sagt Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz am Montag bei der Vorstellung des Projekts in Frankfurt. „Ob latent im Alltag geäußerte Judenfeindlichkeit oder systematische Hassbotschaften gegen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger – es ist unsere Aufgabe, jeglicher Form der Ausgrenzung und Diffamierung entgegenzutreten.“ Deshalb sei es entscheidend, schon an Schulen über die verschiedenen Ausprägungen zu diskutieren und Kinder und Jugendliche für die Thematik zu sensibilisieren. „Es freut mich sehr, dass wir mit der Bildungsstätte Anne Frank einen kompetenten Partner gefunden haben, der nicht nur Schülerinnen und Schülern, sondern auch Lehrkräften die Möglichkeit gibt, den Blick für antisemitische, rassistische und allgemein menschenfeindliche Tendenzen zu schärfen.“

Bedarf nach Unterstützung und Anleitung

„Allein im vergangenen Jahr haben uns in der Bildungsstätte Anne Frank fast 100 Anfragen von Lehrkräften erreicht wegen akuter Vorfälle im Kontext von Antisemitismus“, sagt Dr. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. „Lehrkräfte berichten uns, dass es ihnen schwerfällt, Antisemitismus zu erkennen, der sich heute oft über Umwege etwa im Hass auf den Staat Israel, Geschichtsrevisionismus oder Verschwörungstheorien artikuliert. Darüber hinaus äußern sie Bedarf nach Unterstützung und Anleitung, um bei akuten Fällen kompetent zu intervenieren.“

„Unser zentrales Anliegen ist der Schutz der betroffenen Schülerinnen und Schüler“, sagt Prof. Dr. Doron Kiesel, Direktor der Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden in Deutschland, der dem fachlichen Beirat des Projektes vorsitzt: „Jüdische Kinder und Jugendliche berichten zunehmend von Bedrohungen im Schulalltag – diese reichen vom Gebrauch antisemitischer Schimpfwörter und verschwörungstheoretischer Codes, die Jugendliche aus dem Internet und der Populärkultur übernehmen, über massives Mobbing  bis hin zu körperlichen Übergriffen“, so Kiesel.

Beratungsangebot, Workshops und Fortbildungsveranstaltungen 

Die Bildungsstätte Anne Frank wird in den nächsten Monaten mit Unterstützung des Landes Hessen und in Kooperation mit dem Religionspädagogischen Institut, dem Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer-Instituts und dem Jüdischen Museum Frankfurt sowie der Landeskoordination des Schulnetzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ mindestens 36 Workshops für Schülerinnen und Schüler ab dem Alter von 13 Jahren und mindestens 15 Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte umsetzen, die je nach Bedarf unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Erinnerung an den Holocaust und Nationalsozialismus, Antisemitismus im Kontext von Globalisierung und Kapitalismuskritik, Islamistischer Antisemitismus sowie Antisemitismus und Nahostkonflikt. Ergänzt wird das Programm für Lehrkräfte durch ein Beratungsangebot, das präventiv oder im akuten Konfliktfall in Anspruch genommen werden kann.

Kontakt für Pressevertreter

Pressesprecher: 
Stefan Löwer
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