Nachqualifizierung von Berufstätigen

QualiBack: Abschluss nachholen in der Berufsschule

Thema: 
Berufliche Bildung
25.04.2016Hessisches Kultusministerium

Kultusminister Lorz und Wirtschaftsminister Al-Wazir stellen Leitfaden zum Aufbau von Nachqualifizierungsmaßnahmen an Beruflichen Schulen vor

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Mädchen arbeitet an einem technischen Gerät
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Hessens Berufsschulen spielen eine zunehmend wichtigere Rolle bei der Nachqualifizierung von Berufstätigen. Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir haben sie am Montag in Wiesbaden zur Beteiligung am Schulversuch QualiBack aufgerufen. Der Versuch ist Teil der Initiative ProAbschluss, deren Zielgruppe die rund 340 000 Beschäftigten hessischer Unternehmen sind, die für ihre derzeitige Tätigkeit nicht oder nicht ausreichend qualifiziert sind. Berufsschulen können dabei einen wesentlichen Beitrag leisten.

Ein von Lorz und Al-Wazir vorgestellter Leitfaden soll den Beruflichen Schulen dabei als Handreichung dienen. Er  stellt Zwischenergebnisse  aus den Beruflichen Schulen Untertaunus und dem Berufsschulzentrum Odenwaldkreis – wo QualiBack bereits läuft – dar und beschreibt die für den Erfolg der Maßnahme wichtigen Beratungsleistungen der Bildungscoaches der Initiative ProAbschluss. „Der Transferleitfaden soll weiteren Beruflichen Schulen den Einstieg in die äußerst erfolgreiche und attraktive Nachqualifizierungsmaßnahme QualiBack erleichtern“, erklärte Lorz. Das Projekt „QualiBack“ war 2014 durch das Kultusministerium als Schulversuch genehmigt worden und soll nun hessenweit Schule machen.

„Mit der Initiative ProAbschluss hat Hessen 2015 als erstes Flächenland eine hessenweite Beratungsstruktur eingerichtet, um Beschäftigten ohne fundierte Ausbildung zu einem Berufsabschluss zu verhelfen. Denn aufgrund des demografischen Wandels wird es für Unternehmen immer schwieriger, entsprechende Fachkräfte zu finden oder an das Unternehmen zu binden“, erläuterte Wirtschaftsminister Al-Wazir.

Mit Nachqualifizierung zur Fachkraft

„Die rund 340.000 Berufstätigen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind ein großes Potenzial. Wenn es gelingt, die fachliche Qualifikation dieser Männer und Frauen zu erhöhen, profitieren alle: sie selbst, ihre Familien und ihre Arbeitgeber. Denn Qualifizierung ist die beste Absicherung gegen den Verlust der Beschäftigung – und für die Unternehmen eine naheliegende Möglichkeit, den eigenen Fachkräftebedarf zu decken und damit Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern“, so der Wirtschaftsminister.

Die Initiative ProAbschluss setzt auf gezielte Beratung und Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen und ihrer Beschäftigten. Wer sich für eine Nachqualifizierung entscheidet, soll nicht an finanziellen Hürden scheitern. Deswegen fördert das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung die Kosten für Qualifizierungsmaßnahmen zur Erlangung eines Berufsabschlusses über Qualifizierungsschecks.

Die Rolle der Berufsschulen des Schulversuchs QualiBack

QualiBack eröffnet Beruflichen Schulenden Weg, Beschäftigte im regulären Berufsschulunterricht nachzuqualifizieren. Denn häufig fehlen an- und ungelernten Beschäftigten theoretische Kenntnisse, für deren Vermittlung die Beruflichen Schulen Kompetenzzentren sind. Individuell ausgerichtete Stundenpläne berücksichtigen den Kenntnisstand und die Lebenssituation der Lernenden sowie die Erfordernisse des jeweiligen Betriebs, so dass sich Beschäftigte ohne Ausbildung innerhalb weniger Monate erfolgreich auf ihren Berufsabschluss in Form einer Externen-Prüfung vorbereiten können. „Da dieses Modellprojekt die besonderen Kompetenzen der Beruflichen Schulen widerspiegelt und sehr erfolgreich von den Projektschulen durchgeführt wird, wird es auf weitere Berufliche Schulen in Hessen erweitert“, führte Lorz weiter aus.

Ablauf der Maßnahme in der Praxis an den Pilotschulen

Die Teilnehmer/innen besuchen einzelne Lernfelder oder gar nur einzelne Unterrichtssequenzen in unterschiedlichen Jahrgängen und auch nicht kontinuierlich jede Woche. „Wir stellen aus dem vorhandenen einschlägigen Angebot das zusammen, was die Teilnehmenden nach der Kompetenzfeststellung brauchen“, erklärte Markus Enders, Leiter der Beruflichen Schulen Untertaunus für die beteiligten Modellschulen. Jeder/m Teilnehmer/in ist eine Lehrkraft als Ansprechpartner zugeordnet, die den Lernprozess begleitet. Je nach Bedarf gibt es vor Ort oder per E-Mail individuelle Beratung, Lerncoaching, zusätzliche Lernangebote. Der Modellversuch ist qualitativ erfolgreich und zeigt in Ablauf, Struktur und Möglichkeiten die besondere Stärke der hessischen Berufsschulen. Diese ermöglichen die Nachqualifizierung „aus einer Hand“.

Wirksamkeit der Maßnahme aus Sicht der Unternehmen

Claudia Ebel, Mitglied der Geschäftsführung der Philipp Ebel und Sohn GmbH & Co. KG, eines Metallbauunternehmens aus Taunusstein, das gemeinsam mit und für einen Mitarbeiter eine Nachqualifizierungsmaßnahme durchgeführt hat, bewertet die Nachqualifizierung des Angestellten durchweg positiv. Zwar war die Zufriedenheit mit dem Arbeitnehmer schon vor der Maßnahme gegeben, jedoch werde dieser von der Geschäftsleitung seitdem als noch motivierter wahrgenommen und das Vertrauensverhältnis habe spürbar profitiert. Die Entlastung durch die enge Kooperation mit der Berufsschule und dem Bildungscoach und den Zugang zu deren Know-how werde von der Geschäftsleitung als sehr hilfreich bewertet,. Resümierend betont Claudia Ebel, dass „eine erfolgreiche Umsetzung des Projektes mit dem Engagement der mit dem Projekt befassten Menschen steht und fällt“.

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Stefan Löwer
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