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Inklusive Bildung

Startschuss für Modellregion Inklusive Bildung. Kultusministerin Nicola Beer, Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller und Stadträtin Rose-Lore Scholz unterzeichnen Kooperationsvereinbarung

01.02.2013Hessisches Kultusministerium

Wiesbaden. Mit der heutigen Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zur „Modellregion Inklusive Bildung in Wiesbaden“ zwischen dem Land Hessen und der Landeshauptstadt Wiesbaden wird der Grundstein für den Ausbau des inklusiven Unterrichts in der Region gelegt. Im Aktionsplan zur Umsetzung der UNBehindertenrechtskonvention hat sich die Hessische Landesregierung u.a. das Ziel gesetzt, den Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigung oder Behinderung an Grundschulen und weiterführenden Schulen zu erhöhen und im Gegenzug die Förderschulbesuchsquote in den nächsten Jahren zu senken. Auch die Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung hat zur Umsetzung der inklusiven Bildung einige Grundsatzbeschlüsse gefasst.

„Mit der Modellregion werden nun inklusive Strukturen im allgemeinen Schulsystem erstmals flächendeckend eingerichtet. Wiesbaden wird damit beispielgebend für andere Städte und Kommunen“, betonte Ministerin Beer.

„Die Landeshauptstadt kann auf jahrzehntelange Erfahrungen im Gemeinsamen Unterricht aufbauen. Jedes Kind und jeder Jugendliche, unabhängig von seinen individuellen Bedürfnissen, erhält die Möglichkeit, wohnortnah ein passendes Bildungsangebot wahrnehmen zu können. Im Mittelpunkt steht die Anerkennung von Heterogenität“, so Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller und Stadträtin Rose-Lore Scholz.

Die Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung fasste am 21. Juni 2012 den Beschluss, die August-Hermann-Francke-Schule (Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen) mit Beginn des Schuljahres 2013/2014 schrittweise auslaufen zu lassen. Somit werden an dieser Förderschule ab dem nächsten Schuljahr keine neuen Schülerinnen und Schüler mehr aufgenommen. Das Land Hessen wird die sukzessiv frei werdenden 30 Lehrerstellen in der Modellregion belassen und zur Stärkung und zum weiteren Ausbau des Inklusiven Unterrichts der Region Wiesbaden einsetzen.
Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen wird so noch umfassender die Möglichkeit geboten, eine allgemeine Schule zu besuchen.

Von Seiten des Schulträgers werden zur Entwicklung der Modellregion ab dem Schuljahr 2013/2014 für die Dauer des Modellprojektes gemäß den Vereinbarungen nach und nach 15 Stellen für Sozialarbeit bzw. sozialpädagogische Unterstützung eingerichtet. Die Stellen werden beim Städtischen Schulamt eingerichtet und den Beratungs- und Förderzentren zur Verfügung gestellt.

Es gilt das Prinzip, dass möglichst alle Kinder und Jugendlichen die allgemeine Schule besuchen können, aber auch den Besuch einer Förderschule können Eltern weiterhin für ihr Kind wählen. Im Rahmen der Modellregion werden sukzessive Schwerpunktschulen für die Förderschwerpunkte Hören, Sehen, geistige, körperliche und motorische Entwicklung ausgewiesen. Damit verbunden ist die Schaffung der jeweils erforderlichen räumlichen Voraussetzungen für inklusiven Unterricht mit Schülerinnen und Schülern durch den Schulträger. Die Landeshauptstadt Wiesbaden wird weiterhin dem Grundsatz folgen, standortorientiert und nach den individuellen Bedürfnissen des einzelnen Schülers die räumlichen Voraussetzungen herzustellen. Bereits in den vergangenen Jahren wurden beispielsweise Akustikdecken installiert, Rollstuhlrampen eingebaut oder sanitäre Einrichtungen behindertengerecht ausgestattet.

Das Hessische Kultusministerium bietet den Schulen der Region Wiesbaden umfassende Fortbildungsveranstaltungen zum Thema „Umgang mit heterogenen Lerngruppen“ an. Das Kultusministerium und die Landeshauptstadt Wiesbaden werden zudem gemeinsam in den nächsten Monaten im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zu verschiedenen Themenfeldern Lehrkräfte, Eltern und die interessierte Öffentlichkeit über inklusiven Unterricht informieren. Zur Qualitätssicherung wird Professor Dr. Marcus Hasselhorn (Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung) die Modellregion als Berater wissenschaftlich begleiten. Die Fortbildungsangebote des Landes für förder- und kompetenzorientierten Unterricht werden durch Professor Dr. Franziska Perels (Universität des Saarlandes) evaluiert.

Die „Modellregion Inklusive Bildung“ in Wiesbaden wird umgesetzt auf der Grundlage einer stetig fortzuschreibenden Konzeption. Zur Reflexion und Beratung der Konzeption wie auch der konkreten Umsetzung der Modellregion wird eine Spiegelgruppe eingerichtet, die vor allem die Partizipation der Eltern, der Lehrkräfte und Schulleitungen sicherstellt. Ziel ist das Zusammentragen von Anliegen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln, um damit eine stetige Diskussion aller Beteiligten zur Fortentwicklung der Modellregion zu gewährleisten.

„Die Umsetzung der inklusiven Bildung wird von einer breiten politischen Mehrheit in Wiesbaden getragen. Innerhalb der Stadtgesellschaft ebnen insbesondere engagierte Initiativen den Weg zur Inklusion. Unter dem Dach der Modellregion bündeln wir deshalb auch ein großes gesellschaftliches Engagement“, ergänzten Oberbürgermeister Dr. Müller und Schuldezernentin Scholz.

„Die Integration von Menschen mit Behinderungen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und beginnt und endet nicht mit Schule und Unterricht“, hob Ministerin Beer hervor. „Inklusion ist ein Entwicklungsprozess, der in Wiesbaden gemeinsam mit allen Beteiligten aktiv umgesetzt wird“.

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Pressesprecher: 
Stefan Löwer
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