Alphabetisierung und Grundbildung für Erwachsene

Grundbildungszentren

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Erwachsene Menschen lernen - iStockphoto.com / Catherine Yeulet
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Ca. 7,5 Millionen Menschen in Deutschland (14,5 % der Gesamtbevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren) und knapp 550 000 Menschen in Hessen haben er­hebliche Schwierigkei­ten beim Lesen und Schreiben. Diese vom sogenannten funkti­onalen Analphabetismus Be­troffenen sind in der Lage, einzelne Sätze zu lesen und zu schreiben, nicht jedoch zusammenhän­gende Texte. Selbst kürzere Textpassagen, wie Hin­weisschilder, Formulare beim Arzt und Arbeitsan­weisungen bereiten den Personen Pro­bleme. Als Konsequenz der mangelhaften Alphabetisierung ergibt sich, dass bildungsbenach­teiligte Erwachsene nur eingeschränkt am gesellschaftlichen, sozia­len und beruflichen Leben teilhaben können und einem hohen Risiko der Arbeitslosigkeit und der Armutsgefährdung ausgesetzt sind.

Um die Zahl der funkti­onalen Analphabeten zu verringern, werden nun in Hessen regionale Förderangebote in sogenannten Grundbildungszentren etab­liert und gebündelt.
Hierzu entstehen in den Regionen

  • Darmstadt / Darmstadt - Dieburg,
  • Frank­furt,
  • Wiesbaden,
  • Gießen,
  • Kassel

in einer ersten Phase der Förderperiode des Europäischen Sozialfonds für Deutschland (ESF) von 2016-2019 fünf Grundbildungszentren in Hessen. Die fünf ausgewählten Träger erhalten dafür Unterstützung durch das Land Hessen und den ESF. Träger der Grundbildungszentren Frankfurt, Wiesbaden und Kassel sind die regionalen Volkshochschulen mit ihren verbindlich eingebundenen Kooperations­partnern. In Gießen wird das Grundbildungszentrum von der ZAUG gGmbH (Zentrum für Arbeit und Umwelt Gießen, ein anerkannter Dienstleister kommunaler Ausbildungs-, Qualifizierungs- und Beschäfti­gungsförderung) getragen. Das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V. ist im Verbund mit der Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg der Träger des Grundbildungszentrums für die Regionen Darmstadt und Darmstadt-Dieburg.

In einer zweiten Phase ab 2020 sollen weitere fünf Grundbildungszentren ausgewählt werden. Für den gesamten Förderzeitraum der ersten und zweiten Phase sind insgesamt 3,6 Mio. Euro vorgesehen, davon stammt die Hälfte aus Landesmitteln.

Das Ziel der regionalen Standorte ist es, die Teilnehmeranzahl an Maß­nahmen zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener durch eine regional ausdifferenzierte Unterstützungsstruktur zu steigern. Dabei wird der Ansatz verfolgt, betroffene Menschen stärker in ihrer Umgebung zu erreichen und mit neuen Lernangeboten anzusprechen. Neben Maßnahmen zur Verbesserung der schriftsprachlichen Grundkompetenzen sollen auch Gesundheitsbildung, Rechenfähigkeit und der Erwerb sozialer, kultureller und politischer Grundkompetenzen bei Betroffenen gefördert werden. Weitere Ziele der Zentren sind die Enttabuisierung des Themas und die Beratung, Information und Qualifizierung von Multiplikatoren sowie anderer Interessierter.