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Primarstufe

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Thema Lesen und Schreiben

Die Einschulung stellt für Eltern und Kinder eine große Veränderung dar. Die gesamte Familie wird vor neue Herausforderungen gestellt und es kommen immer wieder Fragen in Bezug auf die Unterrichtsorganisation oder die Art und Weise des Lernens auf. Vor allem im Hinblick auf das Lesen lernen und auf das Schreiben lernen kommt es häufig zu Rückfragen.

Um grundlegende Informationen weiterzuleiten und Missverständnissen vorzubeugen, sind die wichtigsten Fragen, die zum Schulanfang von Seiten der Eltern an Schulen herangetragen werden, in Form von FAQs aufgegriffen worden und entsprechende Antworten können hier abgerufen werden.

Häufig gestellte Fragen:

Wie lernt mein Kind lesen und schreiben?
Was ist eine Anlauttabelle?
Was ist ein Fibellehrgang?
Was versteht man unter der Methode
„Lesen durch Schreiben"?
Wie lernt mein Kind die Rechtschreibung?
Was sind Rechtschreibstrategien und wie helfen sie meinem Kind beim Erlernen der Rechtschreibung?
Welche Schreibschrift lernt mein Kind?

Wie lernt mein Kind lesen und schreiben?

Lesen und Schreiben gehören zusammen und sind die wichtigsten Ziele des Grundschulunterrichts. Auf dem Weg zum Lesen und Schreiben lernen die Kinder in den ersten Schulwochen die Beziehung zwischen Lauten und Buchstaben kennen. Jede Grundschule entscheidet sich auf der Grundlage ihres pädagogischen Konzeptes, mit welcher Methode die Kinder das Lesen und Schreiben lernen. Hierbei können sie zwischen einem Schreib- und Leselehrgang mit Anlauttabelle, einem Fibellehrgang oder einer Mischform aus beiden wählen. 

Was ist eine Anlauttabelle?

Eine Anlauttabelle ist ein übersichtliches Instrument für die Hand des Kindes, auf dem neben jedem Laut mindestens ein Objekt abgebildet ist, dessen Name mit diesem Laut beginnt. Schon ab der ersten Schulwoche kann das Kind mit der Anlauttabelle einzelne Wörter lautgetreu aufschreiben und beginnt auf diese Weise langsam mit dem Lesen.
Schreiben Kinder mit der Anlauttabelle erste Wörter oder Texte selbstständig auf, so entsprechen diese häufig nicht den Rechtschreibnormen. Dies ist ein erster Schritt zum Schreiben lernen. Beim freien Schreiben wird die Anlauttabelle von den Schülerinnen und Schülern auch als Gedächtnisstütze für die Buchstabenschreibung herangezogen.

Was ist ein Fibellehrgang?

Ein Fibellehrgang ist eine Methode, Lesen und Schreiben zu lehren. Die Fibel führt in die Buchstabenschrift ein. Innerhalb eines Fibellehrgangs lernen Kinder nach und nach die Buchstaben kennen und schreiben. Auch bestimmte ganze Wörter werden von Anfang an geschrieben. Bei der Anwendung dieser Methode lesen und schreiben die Kinder nur bereits bekannte Buchstaben und Wörter. Erst wenn alle Buchstaben erlernt worden sind, können sie mit diesen selbstständig umgehen und eigene Wörter bilden.

Aktuelle Fibeln bieten daher in ihrem Konzept zusätzlich Anlauttabellen an, um es den Kindern bereits frühzeitig zu ermöglichen, eigene Texte zu verfassen.

Was versteht man unter der Methode „Lesen durch Schreiben“?

„Lesen durch Schreiben“ ist eine Methode des Schweizer Reformpädagogen Jürgen Reichen, die vor allem das Ziel verfolgt, dass Kinder Lesen lernen. Die Anlauttabelle ist ein Handwerkszeug dieser Methode, welches heute oft im Unterricht als Ergänzung zu einem Lese- und Schreiblehrgang eingesetzt wird. Die Kinder arbeiten überwiegend in den allerersten Schulwochen mit einer Anlauttabelle. Mit Hilfe der Anlauttabelle können sie entsprechend ihres Wissensstandes von Anfang an alle Wörter schreiben. Das Buchstabieren der Wörter beim Schreiben mittels der Anlauttabelle unterstützt den Leselernprozess der Kinder. Dies trägt auch zur Schreibmotivation der Kinder bei. Das Erlernen von Rechtschreibstrategien wird mit dieser Methode zum Lesen lernen jedoch nicht verfolgt.  Hierzu finden parallel gesonderte Rechtschreiblehrgänge statt.

Wie lernt mein Kind die Rechtschreibung?

Kinder sollen in die Lage versetzt werden, richtig schreiben zu können. Dies geschieht nicht allein über das Auswendigschreiben von häufig verwendeten  Wörtern, sondern über die Kenntnis vom Aufbau und den Regeln der deutschen Sprache.

Im Deutschunterricht wird oft an selbstverfassten Texten der Kinder gearbeitet. Diese haben für die Kinder eine besondere Bedeutung und zeigen ihren Wortschatz auf. Die eigenen Texte bieten Anlässe, um sich über Sprache sowie ihre Regeln und Phänomene des richtigen Schreibens auszutauschen.

Die Kinder durchlaufen in der Entwicklung ihrer Rechtschreibkompetenz verschiedene Stufen. Zunächst schreiben sie nach Gehör, indem sie sich die Wörter vorsprechen und lautgetreu aufschreiben. Nach und nach lernen sie erste Rechtschreibstrategien kennen und wenden sie an. Hieraus entwickelt sich mit der Zeit ein regelgeleitetes und normgerechtes Schreiben. Da die meisten Texte für Leserinnen und Leser geschrieben werden und die Rechtschreibung daher eine dienende Funktion hat, lernen die Kinder, warum es wichtig ist, Rechtschreibregeln anzuwenden. Hierbei unterstützt sie auch die Arbeit mit einem Wörterbuch, der Aufbau eines Grundwortschatzes oder eines Klassen- bzw. individuellen Wortschatzes. Der Prozess des Rechtschreiblernens ist mit dem Ende der Grundschulzeit nicht abgeschlossen. Er beginnt in der Grundschule und wird in der weiterführenden Schule fortgesetzt. Die Bildungsstandards und Inhaltsfelder -  Das neue Kerncurriculum für Hessen weisen diesbezüglich Kompetenzen aus, die am Ende der Jahrgangsstufe 4 in der Regel erreicht sein sollen: geübte rechtschreibwichtige Wörter normgerecht schreiben, Rechtschreibstrategien reflektieren und nutzen, Rechtschreibhilfen nutzen[1].

Was sind Rechtschreibstrategien und wie helfen sie meinem Kind beim Erlernen der Rechtschreibung?

Beim Erwerb der Rechtschreibkompetenz werden Strategien systematisch erarbeitet und in für die Schülerinnen und Schüler bedeutungsvollen Zusammenhängen, wie beispielsweise eigenen Texten, angewandt.

Diese Rechtschreibstrategien sind Überprüfungsmöglichkeiten, mit denen die Kinder selbstständig erkennen können, wie ein Wort geschrieben wird. Zum Beispiel „deutliches Mitsprechen“, „Verlängerung des Wortes“ (u.a. durch Mehrzahlbildung, um den letzten Buchstaben zu ermitteln, z.B. Hund / Hunde) oder „Wortarten unterscheiden“, um Groß- und Kleinschreibungen zu erkennen. Ziel ist es, dass diese Strategien automatisiert angewendet werden, um mehr Sicherheit in der Rechtschreibung zu erlangen.

Welche Schreibschrift lernt mein Kind?

Es gibt verschiedene Formen der Schreibschrift: Lateinische Ausgangsschrift, Vereinfachte Ausgangsschrift, Schulausgangsschrift, Grundschrift. Jede Grundschule kann selbst entscheiden, ob und welche Schreibschrift die Kinder erlernen sollen. Zunächst durchlaufen die Schülerinnen und Schüler zumeist einen Druckschrift-Lehrgang und erst in einem zweiten Schritt eine Schreibschrift.

  • Lateinische Ausgangsschrift
    Verbundene Ausgangsschrift, die 1953 in der damaligen Bundesrepublik Deutschland als verbindliche Ausgangsschrift eingeführt wurde.
     
  • Vereinfachte Ausgangsschrift
    Die Vereinfachte Ausgangsschrift sollte Schwierigkeiten in der Anwendung der Lateinischen Ausgangsschrift beheben. Sie wurde 1969 entwickelt und wird seitdem an vielen Schulen eingesetzt.
     
  • Schulausgangsschrift
    Die Schulausgangsschrift war die verbundene Schreibschrift in der ehemaligen DDR. Seit 1991 wird sie auch in anderen Bundesländern eingesetzt.
     
  • Grundschrift
    Die persönliche Handschrift der Kinder wird bei der Grundschrift direkt aus den Druckbuchstaben entwickelt – ohne Umweg über eine verbundene Ausgangsschrift. Die Kleinbuchstaben laufen am Ende in einem Wendebogen aus. Damit wird beim späteren weiterführenden Schreiben das Verbinden von Buchstaben in flüssiger Bewegung möglich.

Die Bildungsstandards und Inhaltsfelder – Das neue Kerncurriculum für Hessen weisen dahingehend folgende Kompetenzen aus, die am Ende der Jahrgangsstufe 4 in der Regel erreicht sein sollen: für andere in gut lesbarer Handschrift schreiben, flüssig schreiben.]

Das Erlernen einer Schreibschrift erfolgt erst, nachdem das Kind alle Druckbuchstaben sicher schreiben kann. Das Angebot eines Schreibschriftlehrgangs dient der Entwicklung einer individuellen, flüssigen und gut lesbaren Handschrift.

 

 

 

[1] Vgl. Hessisches Kultusministerium (Hg.): Bildungsstandards und Inhaltsfelder, Das neue Kerncurriculum für Hessen, Primarstufe, Deutsch, Wiesbaden 2010, S. 19

 

[2] Vgl. Hessisches Kultusministerium (Hg.): Bildungsstandards und Inhaltsfelder, Das neue Kerncurriculum für Hessen, Primarstufe, Deutsch, Wiesbaden 2010, S. 18