Mutter hilft ihren Kindern bei den Hausaufgaben.

Kinder meistern gemeinsam mit ihren Eltern den Schulalltag

Selten verläuft die Schullaufbahn eines Kindes beziehungsweise Jugendlichen vollkommen reibungslos, fast täglich gibt es kleinere oder größere Herausforderungen zu meistern. Die Ursache für schulische Probleme kann auch in der Familie liegen. In solchen Fällen kann das Modell der „Familienklasse“ unterstützen, bei dem Eltern einmal wöchentlich unter Anleitung und Begleitung einer Lehrkraft oder einer Förderlehrkraft bzw. UBUS-Kraft und einer Multifamilientrainerin oder eines Multifamilientrainers mit ihren Kindern einen Schultag gemeinsam verbringen.

Im Rahmen des Unterrichts werden die Eltern und Kinder auf Schwierigkeiten und Probleme – insbesondere im Arbeits- und Sozialverhalten – aufmerksam gemacht. Als „Experten“ ihrer eigenen Situation lernen Eltern und Kinder sich gegenseitig zu helfen, vor allem aber auch für sich selbst Lösungen zu finden. Auf Augenhöhe miteinander umgehen, das eigene Verhalten zu reflektieren, sich gegenseitig unterstützen und freundschaftlich Kritik üben – das sind die wichtigsten „Zutaten“ für das Modell „Familienklassen“. Wenn Kinder und Eltern erleben, dass sie ihre Probleme lösen können, erfahren sie damit Selbstwirksamkeit und lernen ihr Leben nachhaltig zu meistern.

Die Multifamilientrainerin oder der Multifamilientrainer moderiert, unterstützt und berät, wo es notwendig und angebracht erscheint. Die Lehrkraft, Förderlehrkraft oder UBUS-Kraft ist für die Vermittlung des regulären Lerninhaltes zuständig. Dieser Lerninhalt wird für jedes Kind individuell von der zuständigen Lehrerin oder dem Lehrer der Regelklasse in einem Lernplan für die Zeit in der Familienklasse zusammengestellt. Die Teilnahme in der Familienklasse ist auf drei bis sechs Monate angelegt. Den Unterricht an den restlichen vier Wochentagen verbringen die Schülerinnen und Schüler in ihren Regelklassen.

Regionen

Der Lahn-Dill-Kreis hat in Kooperation mit dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf bereits seit 2010 an interessierten Grundschulen das Modell der Familienklasse eingeführt und erprobt. Im Rahmen einer Pilotphase wurden im Schuljahr 2019/20 in mehreren Regionen zunächst in 22 Grundschulen nun gemeinsam mit sozialen Trägern vor Ort Familienklassen angeboten.
Im Schuljahr 2020/21 kamen 12 weitere Stammschulen hinzu. Insgesamt arbeiten hessenweit inzwischen 34 Schulen aus 10 Städten und Landkreisen erfolgreich mit einer Familienklasse, 54 Schulen partizipieren davon.
Zu den Trägern der Maßnahme gehören die Städte Gießen, Kassel und Hanau sowie die Landkreise Bergstraße, Kassel, Lahn-Dill, Wetterau, Main-Kinzig, Marburg-Biedenkopf und Limburg-Weilburg.


Auswirkungen durch die Corona-Pandemie

Die Corona-Krise hat nun das Projekt „Familienklassen in Hessen“ vor eine große Herausforderung gestellt. Gerade der persönliche Kontakt ist für das Gelingen des Angebots von entscheidender Bedeutung. Nach Rückmeldung der Regionen Anfang dieses Jahres ist es den meisten Projekten gelungen, die Beziehung der Akteure innerhalb der Familienklasse aufrechtzuerhalten. Die Klassentandems pflegen über Telefon, Skype oder andere digitaler Angebote Kontakt zu den Familien und fördern die Vernetzung untereinander. Schulen und Familien beschreiben gleichermaßen die Familienklasse als eine wesentliche Möglichkeit, insbesondere in Zeiten der Pandemie Austausch, Beratung und Hilfe aufrecht zu erhalten. Die große Unterstützungskraft der Familienklassen wird hier einmal mehr deutlich.

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